Mrz 29

David Schnell, Splitter

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Publikation zur gleichnamigen Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz mit Beiträgen von Harald Krämer und Frédéric Bußmann, gestaltet von Anna-Lena von Helldorff

Kunstsammlungen Chemnitz / E.A. Seemann Verlag, Leipzig, ISBN 978-3-86502-422-0. 129 Seiten, 60 farbige Abbildungen, Schweizer Broschur, Format 28 x 20 cm, € 28,00 (D) / € 28,80 (A)

Der 1971 in Bergisch Gladbach geborene Maler David Schnell hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert, war Meisterschüler bei Arno Rink und mit Christoph Ruckhäberle, Matthias Weischer und anderen Mitbegründer der Berliner Produzentengalerie Liga, der zeitweilig das Etikett Neue Leipziger Schule zugeschrieben worden ist. Sein 2009 für die Leipziger Thomaskirche gestaltetes Friedensfenster (vergleiche dazu etwa https://www.thomaskirche.org/r-bauwerk-a-296.html) und sein 2010 zu seinen Ausstellungen im Kunstverein Hannover, im Gemeentemuseum Den Haag und im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen erschienener Katalog Stunde haben seine mit abstrakten räumlichen Fiktionen überlagerten Landschaftsdarstellungen über den Kreis der Liebhaber seiner Malerei hinaus bekannt gemacht und 2013 zur Einladung zur Ausstellung Glanzlichter nach Naumburg und dort zur Gestaltung zweier kleinformatiger Fenster in der Johanneskapelle und der Eingangstüre zusammen mit dem Bildhauer Michael Grzesiak geführt (vergleiche dazu http://www.michaelgrzesiak.de/pdf/thezimmer_SchnellGrzesiak_Johanneskapelle.pdf). 2016 –18 kamen drei Fenster für die Christuskirche am Stadtgarten in Köln hinzu (vergleiche dazu etwa https://www.christuskirche-mitten-im-leben.de/de/david-schnell-kirchenfenster.aspx) und jetzt in Chemnitz das dreiteilige Glasfenster Splitter, Echt-Antikglas, in mehreren Stufen geätzt, auf Floatglas laminiert und mit Schmelzfarben bemalt, jedes Teil 253 x 115 cm.

Wie schon Adolf Hölzel (vergleiche dazu Hölzels Fenster für das Treppenhaus des ehemaligen Stuttgarter Rathauses von 1926: http://www.adolf-hoelzel.de/bildauswahl/glasfenster/) setzt Schnell bei seinem Fenster für Chemnitz auf Abstraktion: Er lässt sich in seiner Formfindung mehr von der Malerei als vom Glasfenster von K. O. Götz für die Chemnitzer Kunstsammlung (vergleiche K.O. Götz zum 100. Geburtstag S. 46 f. : http://media.libri.de/shop/coverscans/220/22070653_LPROB.pdf) inspirieren: „Wo Götz’ Bildfindung sich eher anschmiegt, bricht Schnell aus dem Rahmen heraus: Nach Nordwesten, in Richtung des benachbarten Opernhauses ausgerichtet, sind seine Fenster aus Gründen des Denkmalschutzes allein im Inneren des Museums zu sehen. Ihr bläuliches Licht erfüllt einen nicht sehr großen, aber von den Dimensionen mit einer Kapelle vergleichbaren Durchgangsraum, der durch die Glasmalerei verändert und aufgewertet wird“.

Die Bildfelder des dreiteiligen Entwurfs sind so angelegt, dass sie „im Kopf des Betrachters gedanklich zusammengefügt werden können. Ihre innere Dynamik überfängt die Trennung der drei Einzelzonen. Der architektonische Rahmen […] wird […] als Teil der Arbeit mitgedacht […]. In abgestuften Blautönen ist Schnells Komposition zentralperspektivisch von tiefen Fluchtpunkten gehalten, von denen – wie schon beim Leipziger Friedensfenster – explosionsartig Farbflächen wie Splitter ausstrahlen. Diese Splitter, in denen sich die künstlerische Energie des Malers und die Verneinung einer großen Erzählung zugunsten eines fragmentierten, bruchstückhaften Moments bündeln, geben dem Fenstertriptychon und der Ausstellung ihren Titel. Die Farbe Blau trägt zur Beruhigung der durch die berstenden Flächen sehr bewegten Komposition bei und verweist auf die Funktion des Fensters als Mittler zwischen dem Innen- und Außenraum. Rote und weiße Akzente durchbrechen vereinzelt die Dominanz der Blautöne, vertikale Setzungen dynamisieren das Bild im Zusammenklang mit den auseinanderstrebenden Flächen […]. In Splitter fließen wiederkehrende künstlerische Prinzipien David Schnells ebenso ein wie seine Erfahrungen mit dem Material Glas seit dem ersten, knapp zehn Jahre zuvor entstanden Friedensfenster“ (Frédéric Bußmann S. 57 f.).

Neben den Entwürfen und Arbeiten in Glas werden Gemälde und Druckgrafiken mit dem Schwerpunkt Landschaft, Architektur und Innenraumdarstellungen gezeigt. Die ältesten Arbeiten stammen von 2005, 2007 und 2008, die jüngsten von 2017 und 2018.

ham, 29. März 2019

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