Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstverein Reutlingen vom 10. Juni bis 26. August 2018,
herausgegeben von Christian Malycha mit einem Text des Herausgebers

Kunstverein Reutlingen / Snoeck Verlagsgesellschaft Köln, 2018, ISBN 978-3-86442-265-2,
48 Seiten, Broschur mit Fadenheftung, Format 30 x 24 cm, € 24,90

Günther Förgs erste Einzelausstellungen waren 1982 bei Achim Kubinski und 1983 bei Max Hetzler in
Stuttgart zu sehen. Über den 1952 in Füssen geborenen, zuletzt als Professor an der Akademie der Bildenden
Künste München lehrenden und 2013 in Freiburg im Breisgau verstorbenen Maler, Bildhauer, Zeichner und
Fotografen ist im Laufe der Jahre viel und kontrovers geschrieben worden (vergleiche dazu unter anderem
den Bestand von 51 Bänden in der Deutschen Nationalbibliothek unter „118692011“ sortBy jhr/
sort.ascending, Sven Lütticken, Erinnerungen an die Moderne. Zur Gegenwärtigkeit Günther Förgs. In:
https://www.textezurkunst.de/articles/erinnerungen-moderne-web/ und Till Briegler, Im Raum des Denkens.
In: Süddeutsche Zeitung Nr. 180 vom 7. August 2018 S. 12). Seine Arbeit wurde immer wieder neu
interpretiert; zunächst galt Förg als Postmoderner; später wurde er in der Nachfolge des Expressionismus
gesehen. Und Sven Lütticken spricht von der Gegenwärtigkeit Günther Förgs in einer von Brüchen
durchzogenen und zugleich zunehmend globalisierten Welt. Arbeiten von Förg sind derzeit in Reutlingen und
im Stedlijk Museum Amsterdam zu sehen (vergleiche dazu https://www.google.de/search?
q=g%C3%BCnther+f%C3%B6rg+amsterdam&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwiZ-5j
L_trcAhVP16QKHYr4DYIQsAR6BAgFEAE&biw=1677&bih=902).

Nach Till Briegler irritiert die Amsterdamer Ausstellung vor allem junge Besucher, weil Förgs Malereien an
einfarbig angemalte Wände, seine Zeichnungen an Kritzelbilder auf Schmierzetteln und seine Fotografien an
Schnappschüsse erinnern. „Die sorgfältig gerahmten und oft großformatigen Motive Förgs sehen […] nie so
aus, als hätte sie ein Profi gemacht […]. Vieles […] wirkt wie getrieben von kindlichem Trotz, eine gestellte
Aufgabe nicht so zu erfüllen, wie es verlangt ist oder eine Bewunderung nicht offen zu zeigen. Etwa wenn er
eine lange Serie gestischer Bilder malt, die auf die Werke Edvard Munchs reagieren […] ; oder wenn er
monochrom graue Gemälde produziert, die auf die pathoshafte Radikalität des schwarzen Bildes antworten,
mit dem das Ende der Malerei erklärt wurde. Förgs Kunst bezieht ihre ganze innere Dynamik aus dem
aufwühlenden Hin und Her von Heldenverehrung und Selbstdistanzierung. Günter Förgs Fensterschau im
Stedelijk verträgt also gut die anfängliche Irritation, um Neugier auf das Zwiegespräch zu wecken“ (Till
Bruegel a. a. O.).

Christian Malycha springt mit seiner für den Kunstverein Reutlingen kuratierten Ausstellung (vergleiche
dazu die Facebook-Seite des Kunstvereins Reutlingen unter https://www.facebook.com/pg/
kunstvereinreutlingen/photos/?tab=album&album_id=2052227998349120) schlicht und einfach über die
Kontroversen um Förgs Werk hinweg und erklärt ihn zu einem Erneuerer der Malerei und zum Mittler
zwischen Moderne und Gegenwart, zwischen Europa und Amerika, zwischen abstrakt-lakonischen
Minimalismus und fein gestischer Ausdruckskraft. Die Auswahl von rund 100 Arbeiten aus der Sammlung
Brunhilde und Günther Friedrichs aus den Jahren 1976 bis 2008 geht von der frühen Arbeit ›Ohne Titel‹,
1976/87, Kupfer auf Holz, 70 x 50 x 4 cm aus (https://www.facebook.com/kunstvereinreutlingen/photos/a.
2052227998349120.1073741851.1403354163236510/2052228701682383/?type=3&theater) und läuft auf
die großformatige Malerei ›Ohne Titel‹, 2008, Acryl und Öl auf Leinwand, 260 x 280 cm zu (vergleiche dazu
https://www.facebook.com/kunstvereinreutlingen/photos/a.
2052227998349120.1073741851.1403354163236510/2052228461682407/?type=3&theater): Die „einzelnen
Farben – Flecken, Tupfen und Schraffuren – zeigen sich schwebend leicht […], eine dem Bild äußerliche
Ordnungsstruktur gibt es nicht mehr. Aus sich heraus ist jede Farbe absolut positiv gesetzt, beinahe
ornamental trägt und hält sie sich aus eigener Kraft. Mit größter Freiheit und größter Sensibilität sind die
Farben zur Erscheinung gebracht und aus ihren intuitiv erwogenen Setzungen und Entgegnungen klingen
und strahlen sie miteinander. Prägnant und sinnlich. Schroff und empfindsam. Offen ungebunden und
voneinander gehalten. Individuell und als Ganzes. Gerade in seinen späten Bildern vereint Förg die
widerstreitenden Extreme der Moderne und bringt sie mit all ihren uneingelösten Möglichkeiten in die
Gegenwart“ (Christian Malycha S. 17).

ham, 7. August 2018

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