Mai 9

Gunter Damisch: Teile vom Ganzen

Von Helmut A. Müller | In Kunst, Rezensionen

Sammlung Würth und Leihgaben
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 17.11.2012 – 21.04.2013 im Museum Würth,
Künzelsau
Hrsg. für das Museum Würth von C. Sylvia Weber mit einem Vorwort der Herausgeberin und Texten
von Sabine B. Vogel und Gunter Damisch
Museum Würth und Swiridoff Verlag, Künzelsau, 2012, ISBN 978-3-89929-264-0, 120 S., zahlreiche
Farbabbildungen, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Format 28,5 x 23 cm, € 28,–
Der 1958 in Steyr, Oberösterreich, geborene und schon 1985 mit den Msgr. Otto Mauer- und Max
Weiler Preisen ausgezeichnete Maler, Zeichner und Bildhauer Gunter Damisch ist nach ersten
Ausstellungen in den frühen 1980er Jahren unter anderem in der Galerie Ariadne, Wien durch nicht
perspektivische, den Bildraum füllende heftige Malereien in düsteren Farbklängen aufgefallen, die ab
den frühen 1990er Jahren in farbkräftige Kompositionen zwischen Figuration und Abstraktion vor
allem in den Primärfarben gelb, rot und bau übergehen. Das parallele bildhauerische Werk hat sich
von frühen Arbeiten wie der in Künzelsau gezeigten 210 x 30 x 5 cm großen in Primärfarben bemalten
expressiven Stele ‚Zwergenpfahl‘ aus der Sammlung Würth bis zu den fantastisch in sich
verschlungenen vielteiligen Weltentürmen ‚Grünaluweltkonstrukt‘, 2011, Aluminium, 296 x 130 x 70
cm, ‚Dichte Weltwegverschlingung‘, 2011, Bronze, 315 x 115 x 90 cm und
‚Leuchtrotwegturmkonstrukt‘, 2012, Aluminium, 290 x 85 x 90 cm weiterentwickelt. Sabine B. Vogel
fasst diese Entwicklung in der Metapher ‚Abstraktes Erzählen‘ zusammen und erläutert sie unter
anderem wie folgt: „Schlingen und Schlaufen schlängeln sich wie Wege durch den Farbraum, bilden
Innenorte, Höhlen und Nischen. Mit dünnem Farbauftrag gemalt, scheinen die unteren Farbschichten
durch und wir meinen, in mehrere Raumebenen zu schauen. Andere Bilder sind pastos gemalt, die
dick aufgetragene Farbe wird zur fassbaren Mal-Materie, manchmal sogar klumpig, eine fast erdige
Oberfläche. Hier und dort ist die Farbe dicht geballt, ein angedeuteter Lebensraum mit einer
Besiedlung. Hier ‚leben‘ merkwürdige Wesen, die aus einem amorphen Körper bestehen. ‚Köpfler‘,
‚Steher‘ und ‚Flämmler‘ nennt Gunter Damisch diese Figuren. In seinen Bildern der 1980er Jahre
waren sie noch wie in ‚Zwergentanz‘ groß, hatten manchmal sogar Finger. Später reduziert er sie zu
Figurenkürzeln, manchmal mit >>einem Hauch von Individualität<< (Gunter Damisch), wenn Köpfe
hoch erhoben oder gesenkt sind. Sie bewohnen die ‚Welten‘, wie Damisch die Ballungen bezeichnet“
(Sabine B. Vogel). Damisch selber bezeichnet seinen Ansatz als unschlüssiges Schlingen. „Das
Verlaufen von linearen Formulierungen in Schlaufen und Schlingen folgt einem verbindenden Impuls,
lässt sich auf Berührungen mit anderen Formen und Teilen des Selbst ein und steht der klaren Form in
ihrer Eindeutigkeit als Ausdruck einer sich windenden Unentschlossenheit gegenüber; mal hierhin,
mal dahin, nicht eckig-zackig vom Hier zum Dort, eher als eine kreisend-annähernde Kurve biegt sich
das Geschehen durch den (Bild-)Raum, fährt die Fläche ab und über sie hinaus, um in sie
zurückzukehren, Ausschnitt der Bewegung, die das große Ganze auch im Beschränkten eines
Formates denkt. Gitterartig erwächst aus den Bewegungen und Linien und deren Berührungspunkten
ein Gespinst, vernetzte Bahnen und Leitungen kreuzen und treffen sich, die Flächen liegen in kurvigen
Kreislinien zueinander“ (Gunter Damisch). Damischs Gegenentwurf zu Eindeutigkeit und
Abgrenzung, die so tut, als ob es im Innen kein Außen gäbe, mündet in sein „Lob der Unschlüssigkeit“
ein. Der klassisch editierte und vorzüglich gestaltete und gedruckte Katalog dokumentiert die um
Leihgaben aus dem Atelier des Künstlers ergänzte Überblickausstellung. Zwei Radierzyklen und eine
Zeichenfolge vervollständigen das Bild.
(ham), 25.03.2013

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