Jun 1

Hans-Christian Schink, Burma

Von Helmut A. Müller | In Künstlerbuch

Mit einem Vorwort von Franz Xaver Augustin und einem Gespräch zwischen dem Fotohistoriker Ulrich
Rüter und Hans-Christian Schink

Kerber Verlag, Bielefeld / Berlin, 2018, ISBN 978-3-7356-0451-4, 144 Seiten, 85 farbige Abbildungen,
Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 29,5 x 33,3 cm, € 58,00 / CHF 71,22

Der 1961 in Erfurt geborene Fotograf Hans-Christian Schink hat Autobahnbrücken und Verkehrsprojekte auf
dem Weg zur deutschen Einheit fotografiert, die postapokalyptische Landschaft von Tohoku, die wie
Fukushima von dem Tsunami vom 11. März 2011 mit am meisten betroffen war, Telefonkabel im Dschungel,
Strommasten in Winterlandschaften, das Aquädukt Aqua Claudia und vieles andere mehr (vergleiche dazu
unter anderem https://www.rothamel.de/de/kuenstler/hans-christian-schink/werke.html).

Mit Burma liegen jetzt ästhetisch geklärte Alltagsansichten von Landschaft und Städten wie der historischen
Königsstadt Bagan mit seinen über zweitausend Tempeln und Pagoden, dem liegenden Buddha von Yangon
und der verfallenen Dama Lin Khar Ra Paya-Pagode in Bago vor, weiter von zahlreichen mit simplen Hallen
überbauten Buddha-Statuen und von der Moschee von Nyaungdon (vergleiche dazu https://www.goethe.de/
ins/mm/de/kul/sup/pho/sch.html, abgerufen am 30. Mai 2018), aber auch von der menschenleeren 25., 30.,
77., 81. und 95. Straße von Mandalay, von Verkaufsständen in Nyaungdon am frühen Morgen und von
Kühen auf einem Bauernhof in Anauk Pwasaw, Bagan (vergleiche dazu http://www.hc-schink.de/
burma.html, abgerufen am 30. Mai 2018).

Schink war schon 2011 nach der Öffnung von Myanmar von Franz Xaver Augustin, dem Leiter des Goethe-
Instituts in Yangon eingeladen worden, in Burma zu fotografieren. Sein Eindruck, dass Burma ein
Paradebeispiel dafür ist, wie sehr die Wahrnehmung eines Landes durch die unterschiedlichsten Projektionen
einer medial dominierten westlichen Perspektive geprägt sein können, hat sein für seine Zusage notwendiges
längerfristiges Interesse geweckt. Seine Aufnahmen sind in mehrwöchigen Aufenthalten zwischen 2013 und
2016 entstanden. Er ist von einem Grundkonzept ausgegangen, dessen Eckpunkte sein Fotografisches
Interesse und seine aus seinen Recherchen resultierenden Bildvorstellungen bilden. Daraus ergab sich eine
Wechselwirkung mit dem, was er vor Ort vorgefunden hat. Auf dem Weg zu den vorab festgelegten Plätzen
fanden sich weitere bildwürdige Motive. Von den 85 in Burma abgebildeten Aufnahmen gehen lediglich
sechs auf ihm vorher bekannte Situationen zurück. Trotz seines selektiven und subjektiven Blicks ist so
etwas wie eine Gesamterzählung über das Land, das ihm letztlich fremd geblieben ist, entstanden.

„Der Begriff der Fremdheit ist ein […] ganz entscheidender. Bei allen bisherigen Projekten gab es ab einem
bestimmten Punkt immer das Gefühl, auf einer bestimmten Ebene doch das Vertraute im Fremden zu finden,
was ja ein wichtiger Schlüssel für den emotionalen Zugang ist. Dass nun auch in Burma die Phänomene der
globalisierten Welt zu beobachten sind, hat mit einer solchen Ebene der Vertrautheit nichts zu tun. Mein
subjektiver Eindruck einer grundlegenden Fremdheit hatte von Anfang an Bestand, also habe ich dies als
Kondition für meine Arbeit akzeptiert. Deshalb erscheint mir dieses Buch eher als eine Art Reisechronik, die
diese Fremdheit thematisieren, aber nicht auflösen kann. Auch alle Überlegungen, dies mit erläuternden
Texten zu versuchen, habe ich letztlich verworfen. Die Bilder stehen für sich“ (Hans-Christian Schink S.138)

ham, 30. Mai 2018

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