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Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 30.11.2012 – 20.01.2013 im Museum am Dom Würzburg
Hrsg. von Michael Koller und Jürgen Lenssen mit Texten von Jürgen Lenssen, Davide Sarchioni und
Rudi Fuchs
Museum am Dom Würzburg / Kunstreferat der Diözese Würzburg, 2012, ISBN 978-3-9812595-8-2,
112 S., zahlreiche s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden, Format 29 x 24,5 cm, € 24,80
Mit seinem im Museum am Dom Würzburg gezeigten Friedhof der schwarzen Mäntel ist dem 1936 in
Piräus geborene und seit 1956 in Italien lebenden arte povera-Künstler Jannis Kounellis ein
berührendes Bild für die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Sehnsucht nach Bestand gelungen:
Zwei vielleicht sieben Meter lange Stahlträger grenzen dieses Totenfeld gegen die Welt der Lebenden
ab. Auf der Seite der Lebenden landen vielleicht 16, vielleicht 18 schwarze Mäntel ungeordnetchaotisch
an den Stahlträgern an. Sie scheinen darauf zu warten, wie im griechischen Mythos von
Charon im Nachen über den Styx, den Totenfluss gebracht zu werden. Im Totenfeld sind die
gebrauchten Mäntel, Schuhe und Hüte wie Grabstellen senkrecht zu den Stahlträgern ausgerichtet.
Über dem Gräberfeld deuten pyramidal aufgerichtete Träger aus demselben Material ein Totenhaus
an.
Der die Ausstellung im Museum am Dom Würzburg dokumentierende Katalog erinnert an Kounellis‘
1975 in der Galerie Lucio Amelio, Neapel und dann 1977 in der documenta 6 in Kassel gezeigte frühe
Arbeit mit Mantel und Hut: Damals hingen Mantel und Hut noch an einem Kleiderständer, der vor
einer goldenen Wand plaziert war. Weiter an die 1969 in der Galleria L’Attico, Rom ausgestellten
Pferde und an den 1992 in Schwäbisch Gmünd ausgestellten Galgen. Die in den Katalog
eingeflossenen Fotostrecken setzen kongenial um, was Jürgen Lenssen auf die Frage nach der dem
Museum am Dom eigenen Konzeption antwortet: „die Kunstwerke sollen aus sich und aus der Art,
wie sie miteinander und aufeinander bezogen präsentiert sind, in ihrer Wahrnehmung bei den
Besucherinnen und Besuchern die Fragestelllungen >>Wer bin ich? Woraus lebe ich? Und worauf zu
lebe ich?<< wecken und bei der ausgelösten Suche nach Antworten keine Dimension des Lebens und
der Welt ausschließen“ (Jürgen Lenssen).
(ham)

Download: Jannis Kounellis im Museum am Dom

 

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