Feb 7

Laurence Egloff

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Publikation zur Ausstellung Laurence Egloff, suspension of disbelief vom 27.10. – 2.12.2017 in der Galerie
SCHWARZ CONTEMPORARY, Berlin, herausgegeben von SCHWARZ CONTEMPORARY mit einem
Text von Ferial Nadja Karrasch

SCHWARZ CONTEMPORARY / Kerber Verlag, Bielefeld, 2017, ISBN 978-3-7356-0409-5, 80 Seiten, 39
farbige Abbildungen, Klappenbroschur, broschiert, Format 25 x 20 cm, € 28,00 (D) / 34,38 CHF

Die 1972 in Paris geborene und in Berlin lebende Laurence Egloff greift in ihren Malereien auf Bilder
zurück, die sie in Kunstkatalogen, Magazinen, Comics gesehen oder auch selbst fotografiert hat. Es „können
auch Abbildungen auf Verpackungen sein, eigene Skizzen, Fotografien oder ›die kleine Kachel an der Wand
in der Wohnung von Herrn Neumann‹“ (Ferial Nadja Karrasch / Laurence Egloff S. 6). Beim schnellen
Festhalten der Eindrücke in Skizzen verändern sich die Vorlagen wie die Sätze im Stille Post-Spiel der
Kinder. In ihrer neuen Werkgruppe suspension of disbelief (vergleiche dazu http://www.schwarzcontemporary.
com/artists/laurence-egloff und https://www.google.de/search?
q=laurence+egloff&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=MPI6BhDxIps5nM%253A%252CG1FZqTyr4tqdiM
%252C_&usg=___5sP8W9JvJ0kBlu2EJ_4z53-
fD0%3D&sa=X&ved=0ahUKEwiT4vW76ovZAhVP_qQKHQsnBxUQ9QEIMzAB#imgrc=vXiX09akrhRT
GM:) geht Egloff hauptsächlich von eigenen Skizzen aus. „Die eilig erstellten Aufzeichnungen […] lösen
sich von der wahrgenommenen Vorlage und verlieren sich in einem abstrakten Durcheinander. Diese von
einem Eindruck genommene zeichnerische Notiz wird zu einem späteren Zeitpunkt der Ausgangspunkt einer
malerischen Arbeit, in welcher sich die abstrahierte Impression mit einem weiteren schnell umrissenen
Eindruck vermischt“.

Der der Schrift Biographia Litera (1817) des Philosophen Samuel Taylor Coleridge entnommene
Ausstellungstitel suspension of disbelief „ist mit Blick auf Laurence Egloffs Werk […] als Konklusion zu
verstehen. Das in der Biographia Litera beschrieben Konzept der ›willing suspension of disbelief‹, der
willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit, bezieht sich auf die Rezeption fiktionaler Texte und meint das
Ausschalten der kritischen Reflexion und das Sich-Hingeben an eine Illusion zum Zwecke des Genusses. Im
Bezug auf Egloffs Arbeiten ist der Titel eine Aufforderung“, bei der Betrachtung der Bilder nicht bei der
Suche nach ihren Vorlagen und der Analyse ihres Entstehungsprozesses stehen zu bleiben, sondern „sich wie
in einem Buch oder Film auf die […] von selbst ergebenden Narrationen einzulassen“ (Ferial Nadja Karrasch
S. 12 f.). Wer im eigenen Kopf stecken bleibt und nicht auf ganzheitlichere Formen der Wahrnehmung mit
Herz, Hand, Bauch und Verstand vertraut, wird den intellektuell und sprachlich nicht annähernd
einzufangenden Mehrwert dieser spontanen Malereien nicht erfassen können.

ham, 5. Februar 2018
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