Jul 14

Lena Münch, Splitter

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Lena Münch
Splitter
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 28.04. – 30.06.2013 im Bahnwärterhaus Esslingen, einer Dependance der Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen, hrsg. von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit einem Text von Hansjörg Fröhlich
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2013, ISBN 978-3-942144-25-4, 144 S., zahlreiche s/w-Abbildungen, Leinen gebunden mit digitaler Fotografie auf der rückwärtigen Umschlagseite, Format 25,5 x 19,5 cm, € 28,–

Bei der Ausstellung der Klasse Reto Boller in der Villa Merkel vom November 2012 bis Februar 2013 hat die 1980 in Stuttgart geborene Lena Münch durch ihre digitale Fotografie ‚zauberpferd‘ auf sich aufmerksam gemacht. Die Fotografie verdankt ihren Titel einem edlen Schimmel, der den Betrachter durch zwei Felsbrocken im Vordergrund anzuschauen scheint. Im Hintergrund türmen sich mit Gestrüpp und kleinen Bäumen bewachsene Felsen auf, in die Wohnungen eingehauen sind. ‚zauberpferd‘ erinnert an Sagen, Märchen und Mythen, in denen weiße Pferde Rettung bringen, so an die anonym erzählte Geschichte vom weißen Pferd, das der einzige Schatz eines armen Bauern ist und ihn durch 40 weitere weiße Pferde reich macht. Und an die Vision aus Offenbarung 6, 2, nach der der Seher ein weißes Pferd sieht, auf dem einer mit einem Bogen und einer Krone sitzt. Und „der zog aus sieghaft, dass er siegte“ (Offenbarung 6,2). Münchs digitale Fotografie ziert jetzt die Rückseite des Bilderbuchs und Katalogs, der zu Münchs Debütantenausstelllung im Bahnwärterhaus Esslingen erschienen ist. Bei ihrer Diplomausstellung zum Abschluss ihres Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Jahr 2009 wurde Münchs fotografischer Ansatz wie folgt skizziert: „In analogen Fotografien in Schwarz/Weiß kombiniert und variiert Lena Münch auf vielfältige Weise ihre Eindrücke, Erfahrungen und Sichtweisen auf die Welt. Das Ausgangsmaterial für ihr künstlerisches Werk bilden meist gefundene und alltägliche Gegenstände. Aus diesen scheinbar zusammenhanglosen, teilweise antagonistischen Rohmaterialen – den metaphorischen Splittern der Welt – konstruiert Lena Münch mit technischem Geschick temporäre atmosphärische Wirklichkeiten. Die arrangierten Fotografien kennzeichnen sowohl eine hohe Präzision als auch die Freiheit in intuitivem Umgang mit dem Zufall. In klassischer bis experimenteller Fototechnik versammelt Lena Münch Gegenstände spielerisch in exakten Bildkompositionen. Die Objekte und Formen werden in Beziehung zueinander gesetzt und avancieren in der Komposition zu Protagonisten wie in einem Theater aus Dunkel und Licht. Es entstehen unendliche sowie konstruktive Bildwelten in kontrastierenden Räumen aus Schwarz und Weiß“ (Lena Münch). Die im Bahnwärterhaus Esslingen gezeigten und in der hochpräzise gestalteten und sehenswerten Publikation zur Ausstellung versammelten analogen fotografischen Arbeiten lassen mutmaßen, dass sich Münch auch nach ihrer Diplomausstellung weiter intensiv mit der Geschichte der Fotografie auseinandersetzt. Darauf weisen unter anderem die an klassische Landschaftsfotografie erinnernden Arbeiten ‚landscape-stilllife‘

(analog, 5teilig), 2003-2012, ‚ohne titel (all1)‘, 2010 und ‚persuit of happiness 1 und 2‘, 2008 ebenso hin wie die Porträt- und Kopfvariationen, die arrangierten Alltagsgegenstände ‚hochzeitsbendl und zweig‘, 2011‚ ‚werkzeug (Fundstück)‘ von 2013 und die bildnerischen Imaginationen ‚trinity (analog)‘, 2012, ‚ohne titel (geist)‘, 2010 und ‚panthokrat‘, 2009. Man kann gespannt sein, wie sich die derzeit von Münch aufgegriffenen Fäden in den nächsten Jahren verdichten.

ham, 03.07.2013

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