Reclams Universal-Bibliothek Nr. 18962
Philipp Reclam jun., Stuttgart, 2012, ISBN 978-3-15-018962-7, 347 S., 20 s/w-Abbildungen, 1
Weltkarte, zahlreiche Literaturhinweise, 1 Glossar der Fachbegriffe, 1 Register der Personen- und
Ortsnamen, Broschur Format 14,8 x 9,6 cm, € 8,60 (D) / 8,90 (A) / SFR 12,90
Der Überblick der 1960 in Istanbul geborenen und heute an der TU Berlin forschenden
Islamwissenschaftlerin Martina Müller-Wiener über die Kunst der islamischen Welt von ihrer
Entstehung im 7. Jahrhundert bis zur aktuellen Entwicklung im 20. Jahrhundert besticht durch seine
kritische Reflexion der wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen. Sein Ziel ist es, „dem Leser
nicht nur Basiswissen zu ausgewählten Monumenten und Objekten an die Hand zu geben, sondern
auch aktuelle Forschungsfelder, Fragestellungen und Zugangswege vorzustellen und dadurch für die
Komplexität der Thematik zu sensibilisieren, intellektuelle Konzepte und Gedankenwelten erfahrbar
zu machen und neue Zusammenhänge zu erschließen. Der chronologische Rahmen, innerhalb dessen
die Darstellung sich bewegt, überschreitet dabei die in den meisten Überblickswerken eingehaltene
Grenze und umfasst auch das 19. Jahrhundert, bis in die Gegenwart“ (Martina Müller-Wiener). Der im
ausgehenden 20. Jahrhundert beginnende und in den den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts
dominierende postkoloniale Diskurs bestimmt die Perspektive der Gesamtdarstellung ebenso wie die
deutliche Zunahme an Kenntnissen über einzelne Monumente, Objekte und Objektgruppen. Beides
trägt zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Forschungslandschaft bei. „Mit der Lösung von
der Vorstellung einer >>Islamischen Kunst<<, deren Wesen es zu ergründen gilt oder deren
Geschichte in einem Bogen erzählt werden kann, kommt der Spezialisierung auf bestimmte
Arbeitsfelder zunehmende Bedeutung zu. So werden entweder eine bestimmte Region und/oder
Dynastie untersucht oder bestimmte Medien und Techniken in den Blick genommen. Weitere
Möglichkeiten sind die monographische Auseinandersetzung mit einem einzelnen Bau, einem Objekt
oder einer Objektgruppe sowie die vergleichende Untersuchung ikonographischer oder
formengeschichtlicher Fragestelllungen. Der Islam wird in allen diesen Fällen nur noch als einer von
mehreren Faktoren gesehen, die prägend auf die Produktion von Kunst in der islamischen Welt
einwirkten“ (Martina Müller-Wiener). In der Folge eröffnen sich neue, inspirierende Sichtweisen unter
anderem auf das Ornament. „So wird in der Verfremdung natürlicher Formen bis hin zur kunstvollen
Augentäuschung, die die Formensprache der abbasidischen Hofkunst des 9. Jahrhunderts
kennzeichnet, ein umfassendes ästhetisches Konzept erkennbar, sobald man sie auf die Zeit und
Region ihrer Entstehung bezogen betrachtet. Ornamente, die man gleichermaßen als Darstellung eines
Tieres oder als Pflanzenform lesen kann, oder solche, die das Auge hin- und herspringen lassen beim
Versuch, Hintergrund und Muster voneinander zu scheiden, aber auch Keramiken mit metallisch
schillernden Lüsterglasuren oder die in den Quellen beschriebenen, artifiziell verfremdeten Gärten –
sie alle betreiben ein subtiles Verwirrspiel um Form und Material. Dass hier letztlich ein ästhetisches
Konzept umgesetzt wird, hinter dem eine Kunstauffassung steht, lässt die Auswertung zeitgleich
entstandener Texte zu philosophischen Fragestellungen erkennen. Sie stellen die Malerei und die
Gauklerei auf eine Stufe mit der Begründung, dass beide darauf abzielen, Erstaunen hervorzurufen.
Dieses Staunen bezieht sich auf die kunstfertige Manipulation der visuellen Wahrnehmungen. Hier
zeichnet sich eine Auffassung ab, die als Ziel und wesentliches Kriterium von Kunst deren Fähigkeit
sieht, die Sinne zu täuschen, ein Kunstverständnis mithin, das deutliche Bezüge zu antiken
Auffassungen erkennen lässt“ (Martina Müller-Wiener).
Im einzelnen werden, nach Epochen und Regionen gegliedert, ausgewählte Projektgruppen und
Monumente (Moschee-, Palast- und Grabarchitektur, Baudekor, Objekt- und Buchkunst) vorgestellt
und in den historischen Kontext eingebettet.
(ham)

Download: Martina Müller-Wiener: Die Kunst der islamischen Welt

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