Wer die malerische Entwicklung von Li-Wen Kuo verfolgt, ist jedes Mal überrascht, wenn er vor neuen Arbeiten von ihr steht. Die Frankfurterin hat ihre Kunst in den letzten zehn Jahren konsequent vorangetrieben. 2016 schien im Hamburger Salon der Gegenwart wieder einmal der Punkt erreicht, über den es kein Hinauskommen gibt. Ihre am 7. Oktober 2017 in der Nordheimer Scheune eröffnete Ausstellung widerlegt diesen Eindruck einmal mehr. Es ist eine Erfahrung eigener Art, mitzuverfolgen, wie Kuo ihre selbst gezogene Grenzen ein ums andere Mal hinter sich lässt. Kuo setzt zwar wie ein Teil der Moderne auf Abstraktion, aber nicht auf Reduktion in der Abstraktion, sondern auf eine nur schwer beschreibbare Fülle. Einige ihrer in Nordheim gezeigten Bilder erinnern an die auratische Präsenz von Ikonen. Andere sind so komplex angelegt, dass sie in ihrer sphärischen Weite eine behutsame Annäherung verlangen und sich erst allmählich erschließen. Die in Kuos Malerei gleichzeitig erlebbare Öffnung und das sich Verbergen, ihre Weite und objekthafte Nähe und ihre kostbare Frische verdankt sich einer in Jahren entwickelten und jetzt auf die Spitze getriebenen Schichttechnik und ihren so noch nicht gesehenen Farb- und Form- Kombinationen. Kuo hat den Anspruch, mit jedem Bild etwas Neues zu schaffen. Damit wird ihre Malerei zum authentischen, gleichsam handschriftlichen Gegenpol der digital reproduzierten Kunstwerke und zum kostbaren Alter Ego der bewegten digitalen Screens.

Die Aufnahmen von der Eröffnung stammen von Gerhard und Ruth Tollnek.

Die Ausstellung in der Nordheimer Scheune, Talstr. 31/1, 74226 Nordheim ist bis 18.November 2017 jeweils Di, Do und Sa von 15 bis 18 Uhr geöffnet und am 31.Oktober 2017 geschlossen

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