Band 1: Konzepte und Methoden
transcript Historie Band 48
transcript Verlag, Bielefeld, 2014, ISBN 978-3-8376-2528-8, 274 Seiten, Broschur, Format 22,5 x 14,7 cm,
€ 29,99
Bodo Mrozek, Alexa Geisthövel, Jürgen Danyel (Hg.)
Popgeschichte
Band. 2: Zeithistorische Fallstudien 1958-1988
transcript Historie Band 49
transcript Verlag, Bielefeld, 2014, ISBN 978-3-8376-2529-5, 378 Seiten, Broschur, Format 22,5 × 14,7 cm,
€ 34,99
Die vorliegende Popgeschichte für Historiker verzichtet auf die ganz großen Weltdeutungsversuche ebenso
wie auf den feuilletonistischen und den essayistischen Zugriff. Sie setzt auf Pop als signifikanten Bestandteil
von Gesellschaft und Geschichte. „Ohne Pop, so lässt sich konstatieren, sind die Massendemokratien der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr angemessen zu beschreiben – ohne Pop keine Zeitgeschichte“
(Alexa Geisthövel/Bodo Mrozek13f.). In das die Popgeschichte leitende Verständnis von Pop fließen
Vorstellungen des Populären, der Popular- oder Massenkultur und auch des Vergnügens ein. Pop wird nicht
als analytischer, sondern als Quellenbegriff gebraucht. „Pop wäre dann nicht, was wir heute selbst definieren,
sondern was von bestimmten Akteuren in einer bestimmten Zeit aus bestimmten Interesse dafür gehalten
wurde. Ein solches Verständnis von Pop implizierte einen konstruktivistischen Zugang, der eher daran
interessiert wäre, die Abgrenzungsdebatten im Kulturbegriff der Zeitgenossen selbst in den Blick zu nehmen.
Dabei können Pophistoriker auf umfangreiche begriffs – und diskursgeschichtliche Grundlagenarbeit
zurückgreifen. Wie Thomas Hecken nachgewiesen hat, liegen die Ursprünge des Pop-Begriffs als three
letter word in der angloamerikanische Musiktradition der 1940er Jahre, in der Werbeästhetik der
amerikanischen Konsumgesellschaft und in den seriellen Verfahren einer an der industriellen
Massenproduktion orientierten Richtung der bildenden Kunst, der Pop Art. Seine Entstehung und
Ausdifferenzierung lässt sich damit in der Mitte des 20. Jahrhunderts zwischen den 1940er und 1960er Jahre
verorten“ (Alexa Geisthövel/Bodo Mrozek S. 16). Die Herausgeber und die Autoren der beiden Bände
nehmen von einer gemeinsamen Definition von Pop Abstand; sie grenzen ihre Untersuchungen aber
einheitlich auf die Zeitgeschichte nach 1945 ein, nähern sich der Popgeschichte mit Methoden der
Historiographie und verstehen Pop nicht nur als einen sozio-kulturell differenzierenden Bergriff, sondern
auch als einen zeitlich spezifischen.
Pop lässt sich demnach „als eine komplexe Konstellation von Klängen, Bilder, Akteuren, Medien, Raumund
Zeitregimes verstehen, deren Elemente miteinander weder beliebig noch deterministisch verbunden
waren. Ein derart breites Dach lässt Raum für Heterogenität in der Sache, die jedoch in einem übergreifenden
Erfahrungshorizont aufgehoben ist. Mit dieser Gegenstandsbeschreibung ist es auch möglich, einzelne
Elemente und deren Koppelung in frühere Zeiten vorzudatieren … Popkultur ließe sich so nicht nur als eine
Kategorie der Differenz, sondern vor allem als eine epochale verstehen: Pop wäre damit ein Zeitabschnitt,
der sich von älteren Perioden wie der Popularkultur bzw. ländlich geprägte Volkskultur wie auch von der
industriellen Massenkultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts signifikant unterscheidet.“ (Alexa
Geisthövel/Bodo Mrozek S.19 f.). Zu den Unterscheidungsmerkmalen gehören neben den transatlantischen
und zunehmend auch globalen Verflechtungen und den Individualisierungs- und Liberalisierungsprozessen
u.a. auch durch technische Neuerungen wie die Vinylschallplatte ermöglichte Erfindung neuer Betriebswege,
die in der Jukebox symbolisierte Bindung kultureller Inhalte an materielle Träger und die grundlegende
Elektrifizierung „der kulturellen Inhalte selbst, die zunehmend arbeitsteilig von Ingenieure hergestellt
wurden. Dies prädestiniert audiovisuelle Kulturen zu Pop-Phänomenen erster Ordnung, doch würde ein
erweiterter Pop-Begriff auch andere ästhetische Massenphänomene in Zeiten ihrer technischen
Reproduzierbarkeit umfassen, etwa Mode, Produktdesign und Sportereignisse“ (Alexa Geisthövel/Bodo
Mrozek S. 21).
Die Texte des ersten Bands diskutieren ein Spektrum möglicher Forschungsfragen und Herangehensweisen,
so die Überschneidungen von Popkultur und Politik, Pop als wichtigen Faktor bei der Veränderung von
Geschlechternormen, klang- und technikhistorische Zugänge zum Pop und seinen >>Nutzern<< und die Partnerschaft von Pop - und Emotionsgeschichte. Als Zugabe und ohne Nennung im Inhaltsverzeichnis ist dem Band die Rekonstruktion des Vortrags „So tun als gäbe es kein Morgen“ mit auf den Weg gegeben, den Klaus Theweleit am 3. 11. 2011 bei der Tagung PopHistory im Roten Salon der Berliner Volksbühne gehalten hat. „ Der Redner entschied sich für ein originär popspezifisches Verfahren: Aus seinen eigenen Werken hatte er Text-Passagen auf Blätter in unterschiedlichen Größen kopiert, die er neben dem Pult aufstellte wie ein DJ seine Schallplatten. Im Verlaufe des Vortrages zog er immer wieder spontan neue Blätter heraus, legte andere beiseite, brach ab und setzte neu an. So entstand ein Remix, der eigene Texte in neuer Kombination zusammenfügte. Da es sich streng genommen um bereits veröffentlichtes Material handelt, … haben wir uns dafür entschieden, die Transaktion dieses Vortrags … in Form eines hidden track zu veröffentlichen.(Alexa Geisthövel/Bodo Mrozek S.25). Der zweite Band führt aktuelle quellenbasierte Fallstudien zur Popgeschichte wie die zur Bill - Haley - Tournee 1958, zur Robert Fraser Gallery in >>Swinging London<< zwischen Pop - Musik und bildender Kunst, zur Ästhetisierung des Körpers zwischen Dojo und Disco in Westdeutschland und zum Schallplattencover als Quelle der visual history zusammen und ermöglicht damit einen neuen Blick auf das bisher weitgehend übertheoretisierte und unerforschte Feld der Popkultur. ham, 11.5.2015 Download

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