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Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 10. September – 2. Oktober 2016 in der Galerie Bagnato,
Konstanz. Mit einem Essay von Gabriele Schwab

Galerie Bagnato, Konstanz-Oberdorf, 2016, 24 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Broschur,
Rückstichheftung, Format 29,7 x 21 cm

Die 1971 in Köln geborenen, bikulturell am Bodensee und in Griechenland aufgewachsene Amalia
Theodorakopoulos war von 2000 bis 2014 Lehrbeauftragte für Malerei an der Johannes Gutenberg-
Universität Mainz und lebt heute in Glasgow. In ihren Malereien setzt sie sich mit dem individuellen,
kollektiven und transgenerationalen Gedächtnis auseinander und verarbeitet dabei traumatische
Figurenkonstellationen aus dem unerschöpflichen Arsenal privater und medialer Bilder.

Nach Gabriele Schwab „ist die spezielle Weise, in der die Künstlerin Farben benutzt, um eine Stimmung zu
erzeugen“, für Theodorakopoulos charakteristisch. „Es ist eine dunkle, wenn nicht gar bedrohliche
Stimmung, gezeichnet von traumatischen Bahnungen, die immer vage und oft kaum fassbar bleiben. Die
düsteren Farben transportieren etwas Traumhaftes und auch die Technik der Verdichtung, Verschiebung und
palimpsestartigen Überlagerung unterstreicht das Vage, nicht leicht Greifbare eines Traumgebildes […]. Die
spärlich, aber markant platzierten leuchtenden Farben, die aus dem Dunkel hervorbrechen, […] stellen […]
in ihrem dynamischen Ausgleich mit der Dunkelheit ein gewisses Gleichgewicht in einem ansonsten vom
Chaos bedrohten System her […]. Die geheimnisträchtige Dunkelheit der Bilder suggeriert eine Grenze des
Wissens oder der Erinnerung […]. Die Aufgabe des Betrachters ist dem Ertasten eines Weges im Dunkeln
ähnlich, bei dem man sich an Schatten und Umrissen orientieren muss“ (Gabriele Schwab S. 3 ff.). So
erinnert ihre Malerei Großes Theater, 2016, Öl auf Leinwand, 127 x 183 cm (vergleiche dazu http://
www.galerie-bagnato.de/?amalia-theodorakopoulos,97, abgerufen am 16.5.2017) an die Evakuierung der
Toten nach der Attacke islamistischer Separatisten auf das Moskauer Theater im Jahr 2002 und die Malerei
Verletzter Grams, 2016, Öl auf Nessel, 61 x 51 cm an den umstrittenen Tod des RAF-Mitglieds Wolfgang
Grams bei oder nach seiner Festnahme durch die GSG 9 in Bad Kleinen im Jahr 1993 (vergleiche dazu
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Grams und das Bild bei http://www.galerie-bagnato.de/?amaliatheodorakopoulos,
97). Theodorakopoulos’ Technik des Zitierens ist eingebettet in eine ästhetische Praxis des
Erinnerns, die Spuren des Vergangenen aufgreift und sie dem Vergessen entreißt, „indem sie ihnen
künstlerische Form verleiht und sie so in einen neuen gegenwärtigen Kommunikationszusammenhang
einschreibt“ (Gabriele Schwab S. 8).

ham, 16. Mai 2017

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