Dez 23

Antipoden? Neueste Leipziger Schule

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Herausgegeben von Frank Zöllner zur gleichnamigen Ausstellung vom 3. Dezember 2020 – 28. Februar 2021 im Mädler Art Forum Leipzig

Mit Werken von Benedikt Leonhardt, Maria Schumacher, Claus Georg Stabe, Henriette Grahnert, Sebastian Burger, Johannes Daniel, Robert Seidel, Malte Masemann, Sebastian Nebe, Markus Matthias Krüger, Titus Schrade und Kristina Schult und Beiträgen von Frank Zöllner, Defne Kizilöz, Asli Özdemir, Marie Wohlfarth, Katrin Kaiser, Alfa Richter, Friederike Klose, Mareike Susanne Weishaar, Robert Isensee, Erik Kirkamm, Sander Taureck, Shalyn Hempowicz, Mia Alina Kutzner, Luisa Mraz, Julia Reddig, Annalena Metz und Mathilde Blum 

E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2020, ISBN 978-3-86502-442-8, 100 farbige und s/w Abbildungen, Hardcover, Format 28 x 22,4 m. € 20,00

Die in den frühen Jahren der DDR mit der Etablierung einer Malereiklasse durch Bernhard Heisig (vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Heisig) an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entstandene ›Alte Leipziger Schule‹ [vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Leipziger_Schule_(bildende_Kunst)] war noch mit der Absicht verbunden, eine sozialistische Kunst unabhängig von bürgerlichen Traditionen zu begründen. Ihre Hauptvertreter Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig und Werner Tübke und der an der Burg Giebichenstein in Halle lehrende Willi Sitte haben internationale Aufmerksamkeit erregt und der mit Arno Rink (vergleiche dazu etwa https://www.mdr.de/tv/programm/sendung878828.html und https://www.pinterest.de/kunstundkochen/rink-arno/), Neo Rauch (vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Neo_Rauch und http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=1795&clang=0) und der 2002 von elf Studenten und Studentinnen der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst ins Leben gerufenen ›Produzentengalerie Liga‹ (vergleiche dazu http://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=535) verbundenen ›Neuen Leipziger Schule‹ (vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Leipziger_Schule) den Weg bereitet. Spätesten mit Rink, Rauch und der ›Produzentengalerie  Liga‹ wurde der Begriff ›Leipziger Schule‹ zur verkaufsfördernden Marke.

Frank Zöllner, der als Inhaber des Lehrstuhls für mittlere und neuere Kunstgeschichte an der Universität Leipzig das auf die Laufzeit von Januar 2005 bis September 2022 angelegte Forschungsprojekt ›Malerei der DDR / Leipziger Schule‹ betreut, hat jetzt die ›Neueste Leipziger Schule‹ ausgerufen. Zur ›Neuesten Leipziger Schule‹ zählen für ihnehemaligeStudierende der Leipziger Hochschule für Gestaltung, die im Jahrzehnt vor der „friedlichen Revolution“ geboren wurden. Die wichtigsten Vertreter der ›Neueste Leipziger Schule‹ sind für ihn Sebastian Burger, Johannes Daniel, Henriette Grahnert, Benedikt Leonhardt, Malte Masemann, Sebastian Nebe, Markus Matthias Krüger, Titus Schade, Kristina Schuldt, Maria Schumacher, Robert Seidel, Claus Georg Stabe. Man kann sich natürlich fragen, wie dieses Urteil begründet ist und wie lange es trägt. Wenn man die Biografien der Genannten durchgeht, wird deutlich, dass einige der Genannten langjährigen Förderungen durch das Cusanuswerks oder die Studienstiftung des Deutschen Volkes erhalten haben, die meisten Kunstpreisen wie den der Leipziger Volkszeitung und Arbeits- und Auslandsstipendien. Fast alle haben an der Hochschule für Gestaltung und Buchkunst Leipzig als Meisterschüler abgeschlossen. Etliche werden von renommierten Galerien vertreten, so etwa Titus Schade von der Galerie Eigen + Art – wie schon zuvor und bis heute Neo Rauch (vergleiche dazu https://www.titus-schade.de). Wieder andere sind 2019 und 2020 an der Aufsehen erregenden Malerei-Ausstellung ›Jetzt! Junge Malerei in Deutschland‹ beteiligt, so Henriette Grahnert (vergleiche dazu https://www.galeriekleindienst.de/henriette-grahnert.html?language=de), Benedikt Leonhardt (vergleiche dazu http://www.benediktleonhardt.net) und Kristina Schuldt (vergleiche dazu http://www.eigen-art.com/index.php?article_id=982&clang=0). Die Auswahl ist also gut begründet. Aber ob sie in zwanzig oder dreißig Jahren bestätigt werden wird, bleibt offen.

Gleichwohl lohnt es sich, den von Frank Zöllner zur Ausstellung im Mädler Art Forum Leipzig (vergleiche dazu https://maedlerartforum.com/2020/11/27/antipoden-neueste-leipziger-schule/) herausgegebenen Katalog (https://maedlerartforum.com/wp-content/uploads/2020/11/Auszug-Katalog-AntipodenMAF.pdf) genauestens zu studieren und sich die neuen Namen zu merken. Es könnte ja sein, dass sie schon morgen die heutigen Stars der ›Neuen Leipziger Schule‹ ablösen werden. 

ham, 22. Dezember 2020

Kommentare sind geschlossen.

COPYRIGHT © 2020 Helmut A. Müller