Okt 18

Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 25. Juni bis 22. Dezember 2017 im KUNSTWERK
SAMMLUNG KLEIN, Eberdingen-Nussdorf, herausgegeben von KUNSTWERK SAMMLUNG KLEIN
mit Texten von Florian Steininger und Valeria Waibel. Ausstellung und Redaktion: Valeria Waibel

Eberdingen-Nussdorf 2017, 84 Seiten, zahlreich Farbabbildungen, Broschur, Format 25,5 x 20,5 cm

Der 1945 in Dublin geborene irisch-amerikanische Künstler Sean Scully gehört seit seinem internationalen
Durchbruch in den 1980er-Jahren zu den weltweit bedeutendsten abstrakten Malern der Gegenwart. Werke
Scullys befinden sich in den großen Museen der USA, Europas und Asiens. Wie Willem de Kooning malt er
„fleischliche“ Bilder wie zum Beispiel Flesh von 1985 (vergleiche dazu http://www.seanscullystudio.com/
new-arts-holder/paintings/flesh/, abgerufen am 16.10.2017) oder auch zahlreiche rezentere Gemälde, „in
denen hautfarbene Passagen das Bildfeld prägen. Die gemalte Oberfläche verwandelt sich in eine Epidermis,
die das schimmernde Inkarnat opak verschleiert. Im Unterschied zu de Koonings motivischem Bezug zum
menschlichen Körper ist Scullys Definition von Haut und Fleisch innerhalb des Mediums Malerei in
abstrakter Dimension abgesteckt“ (Florian Steininger S. 13). Seit mehr als 15 Jahre teilt er nach dem Tod
seiner Frau sein berufliches und privates Umfeld mit der 1967 in Zürich geborenen Liliane Tomasko.
Tomasko lässt sich in ihrer Malerei von hingeworfenen Kleidungsstücken, gestapelten Stoffen und
zerwühlten Bettlaken inspirieren (vergleiche dazu https://www.google.de/search?
q=liliane+tomasko&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwjqmejryvTWAhVEchQKHVv9
DgUQsAQIPg&biw=1500&bih=895, abgerufen am 16.10.2017). Scully und Tomasko stellen erst seit
einigen Jahren gemeinsam aus.

Da der europaweit einzigartige Scully-Werkblock der Sammlung Klein von 18 Arbeiten aus allen
Schaffensperioden zeitlich parallel im Kunstmuseum Stuttgart ausgestellt wird, hat der Künstler Leihgaben
für die Ausstellung in Nussdorf zur Verfügung gestellt, die den Sammlungsbestand in exakter Weise
spiegeln.

Die auf drei Ebenen in verschränkter Anordnung präsentierte Ausstellung versucht erstmals einen Dialog
zwischen den Positionen von Scully und Tomasko (vergleiche dazu http://sammlung-klein.de/austellung/
aktuell-rundgang/, abgerufen am 15.10.2017). Der Katalog zeichnet die chronologische Werkentwicklung
der Künstler nach. „Beiden künstlerischen Positionen ist trotz ihrer eigenen Stile die Verbindung mit dem
abstrakten Bild und der malerischen Handschrift gemein. Ihr Werk ist ein tiefes Bekenntnis an das Geviert,
an das Tafelbild […]. Die Abstraktion gilt in der Moderne als eine der signifikanten formalen Artikulationen
und ist insbesondere mit der Malerei aufs Engste verbunden. Der konsequenten Analyse des Mediums bis
zum Nullpunkt in der Avantgarde der 1910er-Jahre folgte ein stetiges Wiederaufkeimen der
ungegenständlichen Malerei, vor allem im Abstrakten Expressionismus, im Informel und in der Minimal Art.
In der nachmodernen Abstraktion der 1960er-Jahre trat ein Skeptizismus gegenüber der Malerei und der
schöpferischen Autorschaft auf, dem in der postmodernen Phase ab den 1980er-Jahren Sinnlichkeit und
Intuition entgegnet wurden. Das Projekt der abstrakten Malerei lebt bis in die Gegenwart weiter und zeigt
sich als vielfältiger vitaler Strang innerhalb der aktuellen Bildenden Kunst“ (Florian Steininger S. 18).

ham, 16. Oktober 2017

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