Aus dem Italienischen übersetzt und bearbeitet von Dr. Karl Pichler

Parthas Verlag Berlin, 2013, ISBN 978-3-86964-072-3, 505 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Hardcover gebunden, Format 26 x 17,7 cm, € 39,80

Bei Hochzeiten hat man protestantischen Paaren am Anfang des 20. Jahrhunderts und auch noch in den 1970-er Jahren die mit 223 Holzschnitten von Schnorr von Carolsfeld und Seiten für die Familienchronik ausgestattete Familienbibel nach der Übersetzung von Martin Luther und dem Anhang der Apokryphen geschenkt. Die Kinder und Enkel haben darin geblättert und sind, auch wenn sie noch nicht lesen konnten, in der Tradition der Biblia pauperum über die Bilder mit den biblischen Geschichten vertraut geworden. Das 2012 in der Originalausgabe bei Electa Mailand und 2013 auf deutsch im Parthas Verlag Berlin erschienene große Bibellexikon zeigt, dass die künstlerische Beschäftigung mit den Personen und Stoffen der Bibel unendlich viel bunter, reichhaltiger und eine abendländische Kunst – und Kulturgeschichte im Kleinen gewesen ist. Die Zahl der Künstler, die sich mit der Bibel auseinandergesetzt haben, ist Legion. Wenn man Albrecht Altdorfer, Giovanni Bellini, Lukas Cranach, Albrecht Dürer, Fra Angelico, Giotto, Leonardo Da Vinci, Hans Memling, Rembrandt, Tizian, Konrad Witz und Francisco Zubarán nennt, deutet man nur die Spitze eines Eisbergs an. Im Künstlerverzeichnis des Bildlexikons sind die genannten und 225 weitere namentlich bekannten und unbekannten Meister aufgeführt. Die Einführung in das Lexikon erinnert daran, dass die Bibel die existentiellen Seiten der Größe und der Abgründe der menschlichen Existenz dargestellt hat und deshalb in allen Zeiten in Kunst und Literatur präsent geblieben sei. Die Kunst zur Bibel beziehe sich zwar auch auf die Bibel der Hebräer, das so genannte Alte Testament. Und es seien in der jüdischen Buchmalerei auch Zeugnisse von Darstellungen von Menschen und Tieren zu finden. Aber insgesamt gesehen sei die Kunst zur Bibel hauptsächlich christliche Kunst. Die Kirche lese das Alte Testament
>> typologisch << und deute Personen und Episoden aus dem Alten Testament als >> Typus << , Vorbild und Präfiguration von Personen und Ereignissen im Neuen Testament und in der Geschichte der Kirche. Biblische Themen tauchen in der alten Kirche zunächst in der Gebrauchs- und dann vor allem in der Grabkunst auf. „Das Mittelalter verbindet in der Buchmalerei Erzählung und Malerei und stellt die Ereignisse in Bildfolgen dar. In der Zeit der Gotik entstehen für den Figurenschmuck und die Glasgemälde der Kathedralen ganze Programme und Zyklen. Ab Renaissance und Barock haben die bedeutendsten Künstler der Malerei des Abendlandes bis in die Gegenwart immer wieder Themen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt, wie die Bildauswahl dieses Bandes eindrücklich vor Augen führt“ (Chiara de Capoa/Stefano Zuffi). Im Lexikon dominieren dann aber die Bilder des 15. bis 17. Jahrhunderts. Aus der Zeit der Moderne findet man wenig mehr als vier Bilder von William Blake, eines von Marc Chagall und eines von Lovis Corinth. Max Beckmann fällt ebenso aus wie Emil Nolde, George Rouault, Mark Rothko und die Abstraktion. Joseph Beuys, Arnulf Rainer, Salvador Dali und Rune Mields fehlen, ebenso Werner Tübke , Michael Triegel und die Gegenwart. Das müsste kein Nachteil sein. Aber man hätte die Beschränkung benennen und die getroffene Auswahl wie die textlichen Grundlagen begründen können. „Textliche Grundlage und damit Themengeber für die Bildende Kunst ist die lateinische Bibel, die sog. Vulgata. Die Vulgata war bis zum 16. Jh. die maßgebliche Version der Bibel, in der katholischen Kirche genießt sie bis heute hohes Ansehen… Die Angaben zu den dargestellten Personen und Ereignissen lehnen sich möglichst textnah, an die >> Einheitsübersetzung << der Bibel“ an. Die Ausnahme von dieser Regel bilden die Bilderzyklen zur Mariologie. Bei den Bildern von den Eltern Marias wird auf die Texte des Evangelium des Pseudo- Matthäus, die Legenda Aurea und das Protoevangelium des Jakobus verwiesen. Letzteres war auch in der römischen Kirche nicht in den Kanon der neutestamentlichen Schriften aufgenommen worden, aber von grundlegender Bedeutung für die Lehre von der Jungfrauenschaft Mariens auch nach der Geburt Jesu. Es schildert alle Vorgänge von der lange währenden Kinderlosigkeit ihrer Eltern Joachim und Anna an über die wunderbare Geburt Mariens bis zur ausdrücklichen Konstatierung und Bezeugung der Jungfräulichkeit durch die Hebamme Salome, zur Flucht nach Ägypten und zur Ermordung Zacharias, des Vaters Johannes des Täufers. Die mariologischen Kapitel „Joachim und Anna“, „Unbefleckte Empfängnis“, „Die Geburt Marias“, „Die Unterweisung Marias“, „Die Vermählung Marias“ und „Josef“ und nicht etwa die Kindheitsgeschichten Jesu nach Lukas leiten im Lexikon das Neuen Testament ein. Ein letztes Kapitel zur Mariologie bildet auch, anders als bei Schnorr von Carolsfeld, den Schluss: Von Carolsfeld hatte sich an den neutestamentlichen Kanon gehalten und der Offenbarung des Johannes als dem letzten Buch der Bibel fünf Holzschnitte gewidmet. Sein vorletzter Holzschnitt nimmt in die Vision des Sehers aus Offenbarung 12, 7-12 hinein und zeigt den Sieg des Erzengels Michael über den Drachen. Im letzten Holzschnitt kann der Leser mit dem Seher Johannes und Offenbarung 21 auf das neue Jerusalem blicken. Im Bildlexikon wird dieser kanonische Schluss durch Bilder von Pfingsten, vom Tod Marias, von Mariä Himmelfahrt und von ihrer Krönung ersetzt. Bei den Bildern zu Pfingsten wird auf das Pfingstereignis und Apostelgeschichte 2,1-13 verwiesen. Beim Tod Marias auf die (nach ostkirchlicher Tradition) verloren gegangene Schrift Transitus Mariae, den Heimgang der heiligen Jungfrau Maria, die Legenda Aurea und die Liturgie zu Mariä Himmelfahrt. Bei den Bildern zu Mariä Himmelfahrt kommt noch der Hinweis auf die theologische Auslegung hinzu. Der Bildtypus der Krönung Marias wird auf die Liturgie des Festes Mariä Himmelfahrt und theologische Reflexionen über die angemessenen >>Privilegien<< für die Mutter des Sohnes Gottes und Erlösers der Menschheit zurückgeführt. Vom acht Tage nach Mariä Himmelfahrt am 22. August gefeierten Gedenktag Maria Königin gibt es „mehrere eigenständige Bildtypen, bis zur Darstellung eines prunkvollen Festes der himmlischen Herrlichkeit der Jungfrau und Gottesmutter, das Thema ist aber oft auch mit Darstellungen des Todes und der Himmelfahrt Marias verbunden “ (Chiara de Capoa/Stefano Zuffi). ham, 23.8.2014 Download

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