Das Schrimmen von Tink

Bilderbuch
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung der Künstlerinnen und Künstler Mona Ardeleanu, Manuela A. Beck, Betty Boehm, Jens Braun, Friederike Dippon, Regina Geckeler, Tobias Greiner, Stefan Heller, Christoph Kappler, Georg Lutz, Florian Müller, Matthias Reinhold, Simone Ruess, Roland Schütz, Menja Stevenson, Marta Wiechowski, die der Umstand eint, dass sie noch immer oder gerade nicht mehr bzw. schon lange nicht mehr in der Klasse von Alexander Roob für Freie Grafik und Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studieren
Hrsg. von Alexander Roob, Martin Schick und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart / Galerie der Stadt Backnang / Textem Verlag 2011, ISBN 978-3-86485-003-5, ca. 280 S., zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover gebunden mit Prägedruck, Format 18,8 x 12,8 cm, € 14,80

„Vergessen Sie nicht die Wurzelkraft der Baumwurzeln!“ – Klasse Reto Boller

Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 23.11.2012 – 03.02.2013 in der Villa Merkel und Bahnwärterhaus, Galerie in der Stadt Esslingen a. N., hrsg. von Andreas Baur und Reto Boller mit Texten von Andreas Baur und Reto Boller
Villa Merkel, Galerie in der Stadt Esslingen a.N.; Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2013, ca. 80 S., zahlreiche Farbabbildungen, Broschur, Rückstichheftung, Format 32 x 24 cm, € 14,–

Klassenausstellungen von Studierenden von Kunstakademien sind deshalb interessant, weil sie Veränderungen in der Kunstlandschaft vorweg nehmen und Talente erkennen lassen, die, wenn die Umstände günstig sind, einmal zu den auffälligen Figuren künftiger Kunstmärkte gehören. Deshalb lohnt sich der Besuch von Ausstellungen wie denen der Klasse Reto Boller in der Villa Merkel und im Bahnwärterhaus Esslingen und der Klasse Alexander Roob in der Galerie der Stadt Backnang für jeden, der sich in die sich stets verändernde Kunstlandschaft einsehen will. Schon die die Ausstellungen begleitenden Kataloge signalisieren durch ihre Gestalt, an welcher Stelle ihrer Entwicklung die vorgestellten Künstlerinnen und Künstler stehen: Die mit Roob verbundenen Künstler werden in einem aufwändig gestalteten Hardcoverband, die Künstler der Klasse Boller in einem broschürten Großformat vorgestellt. Reto Boller und Andreas Baur steuern einen Text bei. Beide weisen auf die nach dem Verschwinden der Avantgarden und der verbindlichen Kunstbegriffe völlig offene Ausbildungssituation hin, die dazu führt, dass „Halt und Sicherheit im Kunststudium“ nicht mehr zu erwarten sind (Reto Boller). Die Kunstgeschichte bildet zwar einen Referenzrahmen, in den sich die Studierenden einklinken können. Aber sie sollen sich dann auch wieder „freischwimmen und über Umwege ans Ziel gelangen können“ (Andreas Baur). Im Katalogbuch der Klasse Roob stehen historische Abbildungen aus dem Melton Prior Institut, Düsseldorf an der Stelle der einleitenden Texte und deuten den Rahmen an, in dem der 1956 geborene Professor für Freie Grafik und Malerei arbeitet, denkt und lehrt. Der 10 Jahre jüngere Reto Boller begleitet eine Professur für Malerei. In beiden Klassen

werden die Grenzen der Disziplinen wie auch sonst überschritten; keiner der Studenten hält sich an die mit den Lehrstühlen verbundenen Disziplinen. So kann man in beiden Ausstellungen neben den klassischen und klassisch gewordenen Medien wie Zeichnung, Malerei, Collage, Skulptur, Fotografie, Video und Installation auch großformatige 12-Farb-Digital-Drucke auf Polyestergewebe (Stefan Heller), wie Tafelbilder an die Wand gelehnte Skulpturen aus Glyzerinseife (Nicola Höllwarth) und Malereien mit Lack und Blütenstaub auf Aluminium (Florian Biechele) finden. Niemand weiß, was morgen zur Kunst erklärt werden wird. Deshalb sollte, wer aktuellen Tendenzen folgen will, für immer neue Überraschungen offen bleiben.

Unter den mit Alexander Roob verbundenen Künstlerinnen und Künstlern gehört die 1984 geborene Malerin Mona Ardeleanu ebenso zu den Hochbegabungen wie der 1985 geborene Medienkünstler Stefan Heller und die 1982 geborene intermediäre Gestalterin Menja Stevenson. Bei Reto Boller fällt die 1985 geborene Sarah Dewi Pob mit ihrem hochästhetischen Videoloop „Horizont“ von einem Flugzeugstart am frühen Morgen ebenso auf wie die 1983 geborene Astrid Schindler, die die Fenster des Wintergartens der Villa Merkel mit blauem Klebeband bearbeitet hat. Weiter die 1980 geborene Lena Münch mit ihrem anspielungsreichen C- Print auf Aludibond „Zauberpferd“. Dass sich alle Arbeiten in der weiteren Werkentwicklung bestätigen müssen, führt der an der Esslinger Ausstellung beteiligte technische Lehrer Daniel Mijic mit seiner Installation „House of Dog / House of God“, 2012, Bauholz, Blech, Nägel, Blattgold, zweiteilig, vor: Es zeigt eine aus rohem Holz und Blech gezimmerte Hundehütte auf dem Boden der Galerie und ihr gegenüber an der Decke eine mit Blattgold überzogene Kirche. Der Installation geht im Gesamtwerk ein Video voraus, in dem Mijic austestet, ob sein Hund nach einem aus Fleischbrät geformten Handschuh schnappt, den er sich übergezogen hat. Mijics Hund überlegt nicht lange. Er bellt und beißt zu.

ham, 24.05.2013

Download – Das Schrimmen von Tink / …Wurzelkraft der Baumwurzeln

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