mit einem Vorwort von Adam Weinberg und Essays von Deborah Lyons und Brian O’Doherty

Schirmer/Mosel München, 2012, ISBN 978-3-8296-0580-9, 152 S., 56 Farbtafeln und 69 Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 31,7 x 19,4 cm, € 39,80 (D) / 41,– (A) / SFR 56,90

Von dem amerikanischen Realisten Edward Hopper (1882-1967) ist ein kleines Notizbuch erhalten, in das er den Titel, das Datum und den Preis aller verkauften Werke handschriftlich eingetragen hat. Der erste Eintrag ist auf 13. Dezember 1913, der letzte auf 23. März 1967 datiert. Daneben existieren zusammen mit seiner Frau verfasste einfache Rechnungshefte, sogenannte Ledger-Books, in die Hopper Zeichnungen und technische Angaben zu seinen fertigen Gemälden und seine Frau Josephine Beschreibungen dieser Werke eingebracht hat. So notiert Edward Hopper in ‚Ledger-Book II‘ unter der Zeichnung seiner weltbekannten nächtlichen Restaurant- Szene mit dem Barkeeper und drei gelangweilt wirkenden Gästen an der Bar „‘Night Hawks‘ (Nachtschwärmer)… Beendet am 21. Januar 1942. Block x und Winsor & Newton-Farben, W.&N.-Zinkweiß, Mohnöl. Englisches Leinen, selbst grundiert“. Seine Frau beschreibt die in dem Gemälde festgehaltene Szene unter anderem wie folgt: „Nacht & leuchtendes Inneres von billigem Restaurant. Glänzende Möbelstücke: Kirschholztheke und Sitzflächen der Barhocker rings-um; Lichtflecken auf Metallbehältern dahinter rechts; leuchtender Streifen jadegrüner Kacheln 3/4 quer über die Leinwand – am unteren Rand der Glas-scheibe von gekurvtem Fenster und Theke. .. Sehr gutaussehender blonder junger Mann in Weiß (Jacke, Kappe) innerhalb Theke. Junge Frau in roter Bluse, braunes Haar, isst Sandwich. Männlicher Nachtschwärmer (Hakennase) in dunklem Anzug, stahlgrauer Hut, schwarzes Band, blaues Hemd (makellos), hält Zigarette. Andere Figur dunkler, finsterer Rücken – links. Draußen heller Bürgersteig, blass grünlich… Werbeschild entlang Dach des Restaurants, dunkel – Phillies 5¢-Zigarre… Außenseite des Lokals dunkelgrün“. Die vorliegende Publikation stellt den Ledger-Book-Einträgen auf der rechten Seite eine Reproduktion des Gemäldes und die Übersetzung gegenüber. Für Brian O’Doherty sind diese Bestandsbücher einmal wegen der detaillierten Informationen zu Hoppers Malerei und zum anderen wegen der epigrammatischen Knappheit der Zeichnungen Hoppers interessant: Im Unterschied zu den viel größeren und detaillierteren Skizzen Hoppers für die Gemälde überführen die im Nachhinein gefertigten Zeichnungen in den Ledger-Books „seine Gemälde wieder in den Status der Idee“. Josephine Hoppers Beschreibungen orientieren sich an dem, was man in den Gemälden wirklich sieht. „Jo Hopper war selbst Malerin und man spürt die geschulte Wahrnehmung… Die ins Auge springenden und weniger ins Auge springenden Elemente des

Bildes sind sorgfältig gewichtet, und mit der Abfolge der Beschreibung wird in den meisten Fällen zugleich eine wohlüberlegte und schlüssige Ordnung innerhalb des Bildes aufgebaut. Auch persönliche Anmerkungen finden sich und charakterisieren nicht nur die Zeichnungen, sondern auch ihre eigene Person. Alltägliches findet Eingang genauso wie biographische Details“ (Brian O’Doherty). Es fragt sich, warum es zu der „doppelten Buchhaltung“ gekommen ist: O’Doherty lässt die Antwort letztlich offen und spekuliert über eine mögliche therapeutische Funktion: „Die Bestandsbücher – ein Liebesdienst von ihr, möglicherweise ein Akt der Gefälligkeit von ihm – könnten … den Versuch darstellen, die Schwierigkeiten ihrer Beziehung durch ein gemeinsames Unternehmen zu bewältigen…“ (Brian O’Doherty).

(ham)

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