Jul 14

Eveline van Duyl, Denkinseln

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Eveline van Duyl
Denkinseln
… es darf gedacht werden
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 03.03. – 02.06.2013 im Gerhard-Marcks-Haus Bremen mit Texten unter anderem von Arie Hartog, Lutz Liffers und Yvette Deseyve Gerhard-Marcks-Haus Bremen, 2013, ISBN 978-3-924412-76-0, 72 S., zahlreiche Farbabbildungen, Klappenbroschur, Format 21 x 24 cm, € 25,– (vergriffen)

Museen gehören durch die ihnen zugesprochene Aura und die dort ins Überzeitliche gehobenen Objekte zu den Anderorten, in denen wir unsere Schritte verlangsamen, unsere Stimmen dämpfen und den inszenierten Objekten hohe Aufmerksamkeit schenken. Museen wie das Bildhauermuseum Gerhard-Marcks-Haus finden sich mit der mit der Außeralltäglichkeit einhergehenden Schwellenangst und der Vorstellung, man könne nur dann ins Museum gehen, wenn man schon etwas weiß, nicht mehr ab. Sie suchen deshalb nach Ausstellungsgut, das dazu hilft, diese Schwellenangst abzubauen und das Museum vom Ort des Bewahrens von Kulturgütern wieder zu einem Ort zu machen, an dem Kultur geschaffen und in die Gespräche und Erzählungen der Menschen eingebunden wird. Denn „>>Kultur<< ist ja keine Eigenschaft von Gegenständen, sondern etwas, was mit diesen Objekten geschieht, in dem sie in Erzählungen oder Handlungen eingebunden werden. Museen waren daher jahrzehntelang die Verwalter nicht nur von Objekten, sondern auch von den dominanten Erzählungen einer Gesellschaft… Wenn Kultur dann stattfindet, wenn zwei (oder mehr) Menschen offen und nachdenklich über etwas reden, ohne behaupten zu müssen, es zu verstehen, öffnen sich für ein Museum der Zukunft ganz neue Perspektiven“ (Arie Hartog). Mit den ‚Denkinseln‘ von Eveline van Duyl haben die Ausstellungsmacher von Bremen ganz offensichtlich Objekte gefunden, die die Eigenschaft haben, die in ihrem Museum angestrebten Gespräche zu evozieren und sie in den Alltag hinauszutragen. Sie zeigen auf alten und neuen Bügelbrettern aufgebaute Halbporträts von Philosophen wie Sokrates, Baruch Spinoza, Martin Heidegger, Hannah Arendt und Richard Rorty. Die teilweise kuriosen Materialien, aus denen die Portraits geschaffen sind, scheinen wie die sokratische Hebammenkunst die Zungen ebenso zu lösen wie ihre karikaturenhafte Formulierung: So ist Maimonides aus Steinkohle, Textilien und Latex aufgebaut. Der Kopf von Seneca besteht aus Seilen. Friedrich Nietzsche hat einen Holzkopf aus Holzsplittern und Pferdehaar bekommen. Van Duyl setzt in ihren ‚Denkinseln‘ bewußt „die in der Karikatur erhalten gebliebene Verbindung von Wesen und Ähnlichkeit“ ein. „Damit zerstört sie die oberflächliche Ernsthaftigkeit und kann sich gerade dadurch ironiefrei mit dem Denken und dem Leben der Philosophen beschäftigen. Die Übertreibung ermöglicht die Inhaltlichkeit. Dabei nutzt sie Materialien als Attribute. Sie stellt zum Beispiel über auffällig karierte Hemden eine Verbindung zwischen Bertrand Russell … und Ludwig Wittgenstein … her …, ein Bildwitz, der auf die beide Denker verbindende mathematische Logik und ihre gemeinsame Zeit in Cambridge anspielt“ (Arie Hartog).

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