Konrad Theiss Verlag / WBG, Darmstadt, 2015, ISBN 978-3-8062-3155-7, 256 Seiten, zahlreiche schwarz –
weiße und farbige Abbildungen, eine Zeittafel, eine Auswahlbiographie, Hardcover gebunden, Format 24,5 x 17,6 cm, € 24,95

Die Geschichte Baden-Württembergs, des Saarlandes und von Rheinland – Pfalz reicht zwar vielerorts weit über die Zeit der Römer und Kelten zurück. Aber der in Karlsruhe lebende Historiker und
Literaturwissenschaftler Georg Patzer setzt bei seiner Antwort auf die Frage, wie der Südwesten wurde, was er ist, zurecht mit dem das Heute immer noch stark prägenden Mittelalters ein. „Im Mittelalter wurde das Christentum führend in fast ganz Europa. Klöster, auch im Südwesten, in Lorsch, Hirsau, Mainz oder auf der Reichenau, sorgten dafür , dass die Bildung nicht … verloren ging und das antike Wissen wiederentdeckt wurde. Aus den Schulen, die an die Kirche angegliedert waren, entstanden die Universitäten. Auch der Konflikt zwischen kirchlicher und weltlicher Macht ist alt und wurde … mit wechselnder Heftigkeit … ausgefochten“ (Georg Patzer S. 6). Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit Humanismus, Reformation und den Bauernkriegen, mit der Überwindung des Absolutismus und der Rezeption der Französischen Revolution, der Industrialisierung und der Arbeiterbewegung, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und dem Südwesten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein Schwerpunkt liegt bei den vielen „ersten Versuchen, sich gegen eine übermächtige und übergriffige
Obrigkeit zu wehren und ein demokratisches System zu schaffen … Der Bundschuh in Baden, der Arme
Konrad in Württemberg, die revolutionäre Republik in der Pfalz, die Revolutionen von 1848 und 1849:
Immer wieder unternahmen es mutige Männer und Frauen, sich gegen die Selbstherrlichkeit des Landesherrn zu stellen. Das ist die besondere Geschichte des deutschen Südwestens“ ( Georg Patzer S. 7). Wer als Franke am Fuß des Heuchelbergs und damit an der der vormaligen württembergischen Landesgrenze zum Badischen lebt, wundert sich, was noch in den 1950er Jahren an wechselseitigem Spott zwischen „Badensern“, Franken und Schwaben möglich war. Und er notiert mit Freuden, was zwischenzeitlich an Verständnis für andere Mentalitäten und unter anderem in der Wirtschaft, in der Spitzenforschung und im Weinbau erreicht worden ist. Deshalb dürfte er in Patzers Geschichte des Südwestens den Hinweis auf die roten und weißen Spitzenweine vermissen, die seit einigen Jahren nicht nur in Rheinland – Pfalz und im Saarland, sondern auch in Baden und Württemberg wachsen.

ham, 23.10.2015

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