Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 20.07. – 06.10.2013 in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Hrsg. von Isabell Schenk-Weininger und Petra Lanfermann mit Texten unter anderem von Andreas Strobl, den Herausgeberinnen und einem Vorwort von Jürgen Kessing
Kultur- und Sportamt der Stadt Bietigheim-Bissingen / Städtische Galerie, Bietigheim-Bissingen, 2013,
ISBN 978-3-927877-80-1, 116 S., zahlreiche s/w- und Farbabbildungen, Klappenbroschur, Format 28 x 21,6 cm, € 19,– (Museumsausgabe)

Der 1989 gestiftete und 2013 zum neunten Mal vergebene Grafikpreis der Stadt Bietigheim-Bissingen ‚Linolschnitt heute‘ hat die Stadt zu einem international beachteten Zentrum des grafischen Schaffens gemacht. 2013 sprach die Jury (Stefan Benning, Nils Büttner, Martina Geist, Isabell Schenk-Weininger, Andreas Strobl) den ersten Preis dem 1940 geborenen niederländischen Künstler Cees Andriessen zu, der sich von Beginn an an dem Wettbewerb ‚Linolschnitt heute‘ beteiligt hat und seither ein treuer Wegbegleiter ist. „Seine abstrakten Werke … sind einmalig in ihrer Reduktion, ohne langweilig zu sein, und wirken nie konstruiert, sondern äußerst lebendig. Der erste Preis … darf auch als Würdigung seines Lebenswerkes aufgefasst werden. >>Die Linien des Lebens sind verschieden / wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen<<, heißt es bei Friedrich Hölderlin, der am selben Tag Geburtstag hat wie Cees Andriessen…“ (Stefan Benning, Nils Büttner, Martina Geist, Isabell Schenk Weininger, Andreas Strobl). Am zweiten Preisträger Wolfgang Pilz schätzt die Jury seinen experimentellen Umgang mit dem Linolschnitt auf großformatigen, losen Leinwänden und seine Kombination mit anderen Verfahren. Der dritte Preisträger Volkhardt Müller hat die Jury durch seine äußerst gekonnten Miniatur-Linolschnitte überzeugt, die er in poppig-bunte Spieluhren ein- und in Bewegung bringt. „Poppig-trivial kommt es daher, Volkhardt Müllers ‚Witness box‘ betiteltes Ensemble von zwölf gelb-roten Spieluhren in Form von Fernsehgeräten … für Kinder. Doch statt Bob dem Baumeister oder vergleichbar bunt-banaler Bilderwelt befinden sich in den Plastikgehäusen fein gearbeitete Miniaturen in der traditionellen, betont handwerklichen druckgrafischen Technik des Linolschnitts. Die schwarz eingefärbten Schnitte druckte der Künstler auf japanisches Kozopapier, hochwertiges traditionell handgeschöpftes Papier, das zart, aber außerordentlich stabil ist – im Gegensatz zur Wegwerfware aus dem Spielzeugladen: ein produktiver Widerspruch, der zum genauen Betrachten der in den TV-Geräten im Loop präsentierten Motiven reizt. Zu sehen sind Szenen aus unserem alltäglichen, öffentlichen, urbanen Leben… : Autofahrer im Stau, in der Schlange stehende Nachtschwärmer, auf Kunden wartende Angestellte eines Fastfood-Restaurants, Menschen an Geldautomaten… Gemeinsam ist den Szenen, dass die dargestellten Personen nicht miteinander kommunizieren und sich in Wartesituationen befinden… Es herrscht trotz aller Geschäftigkeit Stillstand…“ (Isabell Schenk-Weininger). Es ist der Stillstand der Nach-Thatcher-Ära. Unter den 42 weiteren in die Ausstellung und den Katalog aufgenommenen Positionen fällt Anja Luithle mit drei Beispielen ihrer 2011 begonnen und seither fortlaufenden Wertpapier-Serie auf, die sie auf Toilettenpapier druckt. Ihre mit der Serie verbundene Frage, ob Kunst-, Börsen- und Finanzwerte in Krisenzeiten das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind, muss jeder Betrachter für sich selber beantworten. ham, 20.10.2013 Download: Grafikpreis der Stadt Bietigheim-Bissingen – Linolschnitt heute IX

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