Mai 30

Publikation zur gleichnamigen Ausstellung vom 30.8. – 24. 9.2105 in der weltecho.Galerie Chemnitz mit einem Text von Michael Hübl

weltecho.Galerie Chemnitz, 2015, 34 Seiten, 19 Farbabbildungen, Karton, Rückstichheftung, Format 20,5 x 27 cm

 

Selten ist der Wettstreit um den Primat der Kunstgattungen so unwichtig geworden wie bei den gemeinsam ausgestellten Malereien und Skulpturen der Karlsruher Künstler Erwin Gross und Johannes Esper. Keiner will den anderen übertrumpfen und niemand und nichts drängt sich in den Vordergrund. In der gemeinsamen Ausstellung der Skulpturen von Johannes Esper und der Malereien von Erwin Gross legt sich vielmehr der Eindruck von Gleichklang nahe. Man könnte meinen, Malerei und Skulptur atmen denselben Geist und sie bevorzugen verwandte und sich gegenseitig ergänzende Farbstimmungen. Alles passt. Michael Hübl führt diesen Gleichklang auf die Entgrenzung der Gattungsfrage zurück, die für Esper und Gross gleichwohl deshalb wieder wichtig wird, weil beide „auf ebenso eigene wie eigenwillige Weise die Grenzen des Terrains“ überschreiten, auf dem sie tätig sind. „Espers Plastiken stehen der Malerei nahe. Nicht, weil die skulpturalen Formen nach ihrer Fertigstellung bemalt werden, sondern weil der Künstler während des Ausformens seiner Objekte mit dem Impetus eines ungegenständlichen Malers agiert […]. Bei Esper wie bei Gross geht es darum, dass ihr Gegenstand – die Plastik oder die Malerei – als in sich stimmige ästhetische Einheit Gestalt annimmt. Wenn Esper ein Bildhauer ist, der großzügig wie ein Maler mit seinem kompakten Werkstoff umgeht, dann wäre Gross der Maler, der nach der Art eines Bildhauers verfährt – Schritt für Schritt sich voranarbeitend. Ein ums andere Mal schabt Gross Farbpartien wieder ab, bis nur noch Restspuren wie Schatten übrig bleiben, über die er dann neue Schichten legt“ (Michael Hübl S.33).

Dass der 1953 in Längenbrücken geborene Gross und der 1971 in Cochem geborene Esper über Jahre an der Kunstakademie in Karlsruhe zusammengearbeitet haben und beide deshalb wissen, dass sie einander auf Augenhöhe begegnen können, kommt hinzu. Man kann Gross, Esper und dem kunstinteressierten Publikum nur wünschen, dass beiden noch zahlreiche gemeinsame Ausstellungen vergönnt sind. Man sollte keine ihrer gemeinsamen Ausstellungen versäumen.

ham, 28. Mai 2016

 

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