Jun 8

Jonathan Meese
Dragonbaby „Johnny“
(Erzmuttersöhnchen on the Rocks)
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 06.09. – 20.10.2012 in der Tim van Laere Gallery Antwerpen
Tim van Laere Gallery, Antwerpen, 2012, 94 S., zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover gebunden, Format 25,7 x 20,5 cm

Jonathan Meese
Dienstbuch 2012
Fotografie und Gestaltung von Jan Bauer
Privatdruck Berlin 2012, 52 S., Broschur, px H-WE 3871751-52-100, 52 S., zahlreiche Farbabbildungen, Format 28 x 20,4 cm

Jonathan Meese
Babysculptures
Hrsg. von Doris Mampe und Swantje Grundler mit Fotografien von Jan Bauer
Büro Jonathan Meese, Berlin, 2013, 64 S., Broschur, Format 22 x 15,5 cm
Georg Wilhelm Friedrich Hegel hat mit dem „Gerücht vom Ende der Kunst“ aus seinen Vorlesungen zur Philosophie der Kunst von 1826 und seinem emphatischen Bekenntnis „Es hilft nichts, unsere Knie beugen doch wir nicht mehr“ die Entmythologisierung der Kunst auf den Punkt gebracht. Spätestens Ende der 1960er Jahre verflüchtigt sich mit dem modernen der vorläufig letzte normative Kunstbegriff. Eine Verständigung über die Frage, was an seine Stelle treten soll, wird zum kaum mehr erwartbaren Glücksfall.
Wenn Jonathan Meese neben seiner schon nach eineinhalb Jahrzehnten kaum mehr zu überschauenden überbordenden künstlerischen Produktion parallel dazu in seinen Manifesten und Schriften auf Vorschläge zu einer Neufassung des Kunstbegriffs setzt und dazu eine Vielzahl von in sich spannungsreichen Definitionen von Kunst vorschlägt, stellt er sich gleichsam auf die Schultern von Hegel und will ihn ähnlich wie Karl Marx, aber in anderer Absicht, vom Kopf auf die Füße stellen. Auch nach Meese „… muss und darf nichts und niemand“ vor Kunst >> niederknien<<. Kunst will das >>Stramm (eese) stehen …<“(Jonathan Meese). Kunst „entideologisiert alles. Meese verortet sie in der Tradition der westlichen Aufklärung und der materialistisch gedachten Evolutionstheorie. „Kunst ist die Summe aller Evolutionen, Kunst ist die Gesamtheit aller metabolischen Prozesse und Aktivitäten… Kunst entmachtet alle Ideologien. Kunst entsaftet alle Pups politischen Systeme… Nur Kunst darf herrschen“ (Jonathan Meese). Damit wird sie auf der einen Seite zu einer Spielart der mit antireligiösem und antidemokratischem Affekt vorgetragenen politischen Eschatologie: „1. Art is no
ideology. / 2. Art is no fear… / 3. Art is no spiritualism / 4. Art is no religion, super, super, super / 5. Art is no political system … / 12. Art is no democracy … (Die „Diktatur der Kunst“ ist die totalste Zukunft) / Art is the most total radical and / most beautiful power of the future. / Only art will rule the worlds, the „Dictatorship of Art“ will be in charge. Art leads, art forms, art dictates: … Art is the most radical revolution of the future“ (Jonathan Meese in seinem Athen-Manifest vom 12.01.2012). Auf der anderen Seite weiß Meese natürlich auch, dass er als Künstler Teil des Kultur- und Unterhaltungsbetriebs der gegenwärtigen Gesellschaft ist. Deshalb ist er nach Hans-Joachim Müller „nicht jemand, der postuliert: >>In 50 Jahren müssen die Museen noch voll sein mit meinen Bildern<<, sondern er sagt >> Mich interessiert es, jetzt, eine bestimmte Rolle zu spielen als Künstler in der Gesellschaft, in diesem Kultur- und Unterhaltungsbetrieb und die Rolle ist beschränkt, temporär limitiert, aber es macht Spaß und ich habe etwas beizutragen.<<“ (Hans-Joachim Müller im Kunstforum International, Band 221 Mai – Juni 2013, S. 94). Die Herausgeber Paolo Bianchi und Christoph Doswald haben Jan Bauers Fotografie von Meeses Berliner Atelier vom 16.11.2012 als Titelbild für diesen Band ausgewählt. Das ist konsequent, wenn man sich die Fülle der in diesem Themenband zur Lage der Kunstkritik vorgestellten Definitionen vor Augen führt und sich dann eingesteht, dass auch Kunstkritik wie Kunst selber nicht mehr auf den Punkt gebracht werden kann. Man kann in einer solch offenen Situation allenfalls darauf hoffen, dass man vielleicht später einmal verstehen wird, was Kunst und Kritik gewesen ist – und was nicht.
ham, 12.05.2013

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