Jonathan Meese, Dienstbuch 2014

Photographie und Gestaltung: Jan Bauer

Courtesy Jonathan Meese . Com, Berlin, 2014, limitierte Auflage von 100 Exemplaren 102 Seiten, zahlreiche
Farbabbildungen, Hardcover, Format 27,6 x 21 cm

Jonathan Meese
Spitzenmeesige Women (Schniddeldiddelson)

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 12. März bis 25. April 2015 in der Tim van Laere Gallery
Antwerpen, Belgien mit dem „Antwerp -Manifestez“ von Jonathan Meese

Vortragsbücher halten die wichtigsten langfristig gültigen Rechtsverhältnisse von Kirchengemeinden fest.
Darüber hinaus listen sie wertvolle beweglichen Güter wie zum Beispiel Kunstgegenstände auf und notieren
ihren Anschaffungs- und ihren aktuellen Wert. Im Zeitbuch werden Erträge, Aufwendungen und
Auszahlungen in zeitlicher Reihenfolge gebucht, im Sachbuch in sachlicher Reihenfolge. Für größere
Baumaßnahmen kann ein Baubuch geführt werden. Dienstbücher kennt man von der Feuerwehr, dem
Deutschen Roten Kreuz, der Bundeswehr und auch von Jonathan Meese. Nach der Definition des Dudens
werden in Dienstbücher besondere Vorkommnisse während des Dienstes eingetragen.

Wenn man Jonathan Meeses Dienstbuch 2014 in die Hand nimmt, wird man mit einiger Wahrscheinlichkeit
auf seine Entwürfe für den Parsifal bei den Bayreuther Festspielen 2016 stoßen. So ist es dann auch. Auf den
Seiten 33 – 38 findet man eine Bilderstrecke von der Erstpräsentation seiner Kostümbildentwürfe für die
Inszenierung von Richard Wagners Oper am 11. April 2104 in seiner Bibliothek in Berlin. Zu sehen sind
Kostümentwürfe für Parsifal, Klingsor, Kundry Kind, Kundry, Amfortas, Gurnemanz, Knappen, Ritter und
Kostümutensilien wie ein aus einem Pinsel und wohl einem aufgeklappten Buch entwickeltes Schwert,
Zauber- und Herrscherstäbe. Die Präsentation steht unter der Überschrift „Richard Wagnerzt alle(s)!“. Sie
wird wie folgt erläutert: „Das gesamte Jahr 2014 steht … im Zeichen der Parsifalisierung von Jonathan
Meese durch die K.U.N.S.T. . Für seine Inszenierung des „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen im Jahr
2016 haben sich seine Kostümentwürfe, wie seine sonstigen Gemälde auch, auf Erz-Leinwand gebannt, wie
von selbst.“

Auf Seite 74 findet sich eine ganzseitige Abbildung des 210,5 x 140,3 x 3,3 cm großen Ölgemäldes
„Der Fackelzug K.U.N.S.T. schwitzt Zukunft in die Schnüss“ von 2014, auf dem „Erzmeese“ mit Parsifal in
eins gesetzt wird. „Erzmeese ist Parsifal“. Auf den Seiten 75 – 78 folgen weitere Parsifal – Gemälde und eine
Aufnahme von Meese vom 21. August 2014 in seinem Atelier in Berlin, unter der der Satz steht: „Die
K.U.N.S.T. formt Parsifalmeese!“ Auf den Seiten 93 und 94 folgen die von Eva Wagner-Pasquier, Katharina
Wagner und Heinz-Dieter Sense unterschriebene Rücktrittserklärung der Bayreuther Festspiele von den
Verträgen mit Jonathan Meese für die Regie sowie die bühnenbildnerische und kostümliche Ausstattung der
Neuinszenierung Parsifal der Bayreuther Festspiele 2016 und auf Seite 95 Bilder von Meeses Wutrede
„gegen die Kulturgiganten Katharina Wagner“ im Rahmen seiner Performance „Die Diktatur der Kunst“ am
21.11.2014 in München.

Weiter Bilderstrecken befassen sich mit Meeses Ausstellungen in der Galerie Bo
Bjerggaard, Kopenhagen vom 17.1. – 26.2.2014, seiner Installation „Der Pakt mit dem Teufel“ in der
Gruppenausstellung „Freundliche Übernahme – Künstler und ihre Sammlung“ vom 28.6. – 5.10.2104 im
Museum Marta Herford, seiner Ausstellung „Countdown K.U.N.S.T. (Die Geilstinvasion)“ vom 5.9. –
11.10.2014 in der Galerie Sies + Höke in Düsseldorf, Meeses wichtigen Gemälden wie dem Riesenformat
MEE/M 3048/00, 21o,6 x 421,8 x 3,3 cm und der Lesung „Muss Kunst widerständig sein“ beim Master-
Campus-Festivals am 20. 2.2014 in der Züricher Hochschule der Künste. Meeses „Dienstbuch 2014“ schließt
mit der Präsentation von Teilen des für seine Parsifal-Inszenierung geplanten Bühnenbildes in seinem Atelier
in Berlin am 15.12.2014.

Der Ausstellung in der Tim van Laere Gallery in Antwerpen ist ein eigener Katalog gewidmet. Eine der dort
gezeigten Malereien ist „Erzparsifal´s Mutterz“, eine weitere „Babyparzifalmeese“ und eine dritte „Fräulein
Natyrn/Kundrill“ gewidmet. Man kann gespannt sein, wann und auf welchen Bühnen Meeses Entwürfe für
den Parsifal zum Einsatz kommen. Interessante Angebote soll es schon geben.

ham, 31.7.2015

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