Eine Dokumentation des Diözesanmuseums Freising, fotografiert von Thomas Dashuber, herausgegeben von
Christoph Kürzeder mit einem Essay von Christoph Kürzeder und Steffen Mensch über das Leben im
Kloster und Beiträgen zur Geschichte der Orte von Anna-Laura de la Iglesia y Nikolaus und Patrick Charell

Verlag Antje Kunstmann, München 2106, ISBN 978-3-95614-098-3, 608 Seiten, zahlreiche doppel- und
ganzseitige Abbildungen, Leinen gebunden, Format 23,7 x 17,5 cm, € 35,00 / 36,00 (A)

Wer sich fragt, was Althohenau, München, Ingolstadt, Altomünster, Mindelheim, Beuerberg, Dietramszell,
Landshut und das Jahr 1803 verbindet, wird auf Frauenklöster wie das Franziskanerinnenkloster St. Johann
im Gnadenthal, die Schwestern von der Heiligen Familie, das Brigittenkloster St. Peter und Paul, das
ehemalige und derzeitige Kloster der Salesianerinnen, die Marienanstalt Warnberg, die Zisterzienserinnen-
Abtei Seligenthal und das Ursulinenkloster St. Joseph stoßen. Viele dieser Klöster sind nach dem
Reichsdeputationshauptschluss von 1803 säkularisiert und im 19. und 20. Jahrhundert wieder in Dienst
genommen worden. Diese Frauenklöster haben den bayrischen Kulturraum über Jahrhunderte geprägt.
„Einige […] sollen in den nächsten Jahren wegen Nachwuchsmangels aufgelöst werden. Bereits zwei der
hier dokumentierten Klöster, das der Dominikanerinnen in Altenhohenau und das der Salesiannerinnen in
Beuerberg, existieren zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches nicht mehr, und auch die Ursulinen
werden im Laufe des Jahres 2016 ihr Kloster in Landshut verlassen“ (Christoph Kürzeder S. 7).

Der eindrückliche Band erzählt in Bild und Wort von zehn süddeutschen Frauenklöstern und den Frauen,
„die als Klosterschwestern in einer langen Tradition der Gottsuche stehen, die in ihrer Konsequenz und
Radikalität für viele Zeitgenossen nur schwer nachvollziehbar ist und deshalb heute als Lebensform nur noch
von wenigen gewählt wird. Und von Klöstern, die den geschützten, klar umgrenzten und strukturierten
Lebensraum einer Gemeinschaft bilden, der in vielen Fällen mit seiner historischen Prägung, seiner
Architektur und seinem reichen materiellen Erbe wichtige Teile unserer kulturellen Identität in einmaliger
Weise bewahrt hat […]. Viele der Bilder erzählen diese Geschichte des Abschiednehmens […]. Die zehn
Kapitel wollen aber […] dem Leser auch die einmalige Komplexität der Bezüge in den Klosterwelten
erschließen: zwischen Drinnen und Draußen, Architektur und Spiritualität, Arbeit und Gebet, Gemeinschaft
und Individualität“ (Christoph Kürzeder S. 7 f.).

Im Evangelischen Stift in Tübingen waren beim Studium in den Jahren zwischen 1968 und den ersten 1970er
Jahren trotz der völlig anderen Nutzung als Studienhaus für künftige Pfarrer immer noch der Bewunderung
abnötigende Geist des ehemaligen Augustinerklosters und die hohe Konzentration gefühlsmäßig
wahrzunehmen, die ein Leben hinter Klostermauern auszeichnen. Vergleichbares gilt auch für das 1473 von
Graf Ulrich V. gestiftete und 1536 säkularisierte Dominikanerkloster von Stuttgart, dessen Kirche fortan als
dritte evangelische Kirche von Stuttgart und dessen neu errichtete „Klostergebäude“ heute als Bildungs- ,
Kunst- und Kulturzentrum dienen. Die 1536 von Herzog Ulrich verfügten Umnutzungen zeigen, dass der
Abschied von Klöstern wohl dann am besten gelingt, wenn die neuen Nutzungen die Ursprungsideen auf
transformierte Weise in die Zukunft tragen.
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ham, 28. März 2016

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