Feb 27

Markus Merkle, Unit

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Publikation anlässlich der Verleihung des Hannes Burgdorf Preises und der Ausstellung FAR IN BETWEEN
vom 22. Januar – 5. März 2017 im Galerieverein Leonberg mit Texten von Sarah Rogers Morris und
Christian Gögger

Ernst Wasmuth Verlag Tübingen. Berlin, 2017, ISBN 978-3-8030-3388-8, 104 Seiten, zahlreiche, teils
farbige Abbildungen, Format 25 x 19 cm, Klappenbroschur, € 24,80

Der 1975 in Marbach geborene Olaf Metzel-Schüler Markus Merkle ist Träger des zweiten Hannes Burgdorf
Preises für zeitgenössische Kunst. Mit dem mit 10 000 €, einer Ausstellung und einem Katalog dotierten alle
drei Jahre vergebenen Preis werden zeitgenössische Künstler/innen gemeinsam von der Stadt Leonberg, dem
Galerieverein Leonberg e. V. und dem Stifter ausgezeichnet, die eigenständig und wegweisend mit
unterschiedlichen Arbeiten der abstrakten – vorzugsweise gegenstandslosen – Kunst hervorgetreten sind, die
bisher noch keinen größeren Kunstpreis erhalten haben und deren Arbeitsschwerpunkt in Baden-
Württemberg liegt. Die Wahl der Jury (Hannes Burgdorf, Petra Olschowski, Camill Leberer, Eva Ott,
Christina Ossowski) wird wie folgt begründet: „Die künstlerische Arbeit von Markus Merkle konstituiert
sich aus unterschiedlichen medialen Ebenen. Grundlegend ist die Verwendung einfacher Grundformen, die in
ihrer Wiederholung und unter Einbeziehung des Zufallsprinzips das jeweilige Werk zu einem singulären
Ereignis werden lässt. Darin nimmt Merkle im Kontext der aktuellen Kunstszene eine unverwechselbare und
herausgehobene Stellung ein. Merkles Arbeiten zeichnet zudem eine Tendenz zum Nomadisch-
Transistorischen aus, die ihn immer wieder die Frage nach äußerer und innerer Balance auf eindrückliche
Weise formulieren lässt“.

Eine Static (englisch: static, Rauschen) überschriebene 32-seitige Einleitung führt in den vom Preisträger
und Michael Hess gestalteten Katalog und seinen Werkteil ein. Gezeigt werden in loser Folge Vorstudien,
Quellen und Fotografien zu den Arbeiten, so unter anderem eine Fotografie von der Kinzie Street in Chicago,
Fotografien von Carlo Scarpas Grabstätte für Giuseppe Brion auf dem Friedhof von San Vito d’Altivole,
Zeichnungen und Collagen. Die Vorstudien, Quellen und Fotografien sind auf fotokopierten Lochpappen
arrangiert, deren Löcher Punkte, Kreise und eine Art Rauschen simulieren: „Aus dem Rauschen kommt die
Kunst“ (Markus Merkle S. 2). Nach Sarah Rogers Morris bekunden Merkles Arbeiten eine Obsession für
Punkte und Kreise. „Den Kreis denkt sich der Künstler als perfekte Form, und wie ein Mal- und
Zeichenlehrer führt er zunächst den Punkt als Vorgänger der Linie ein oder als Grundvoraussetzung aller
Erscheinungsformen der visuellen Kultur. Merkels OEuvre definiert sich durch Zirkularität, jede Arbeit ist
Teil einer Familie, ein Werk bringt das nächste hervor“ (Sarah Rogers Morris S. 36).

In seiner Werkgruppe Rotella werden Punkte zu Linien, Flächen und Räumen transformiert. Die aus
übereinander überlegt in den Raum gefügten und gedrehten Scheiben lassen an Brancusis endlose Säule
ebenso denken wie an Obelisken oder Totempfähle (vergleiche dazu http://www.markusmerkle.com/rotella/,
abgerufen am 27.2.2017). Die Grids sind graue Raumreliefs aus Holzlatten und Platten mit rechtwinklig
horizontaler und vertikaler Anordnung. Sie erinnern an die weißen, schwarzen und goldenen Wände der
amerikanischen Bildhauerin Louise Nevelson. „Nach den Ordnungsprinzipien stapeln, queren, reihen
definieren sich die Verhältnisse von Länge, Breite und Tiefe der einzelnen Elemente“ (Markus Merkle S. 44).
In der Werkgruppe Unit wurden die Texte von Todesanzeigen in deutschen Zeitungen so übersprüht, dass
aneinandergereihte rechteckige Kästen übrig bleiben, die daran erinnern, dass der Tod alle gleich macht
(vergleiche dazu http://www.markusmerkle.com/unit/, abgerufen am 27.2.2017). Weitere im Katalog
vorgestellte Werkgruppen sind die Fenster, die Couples, Far in between und Cubit.

ham, 27. Februar 2017

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