Mrz 5

Michael Triegel, Discordia concors

Von Helmut A. Müller | In Katalog, Kunst

Katalog zu den gleichnamigen Ausstellungen vom 18. November 2018 bis 17. Februar 2019 im Angermuseum Erfurt und vom 25. Mai bis 8. September 2019 im Museum de Fundatie, Zwolle / Niederlande, herausgegeben von Karl Schwind mit Texten von Josef Haslinger, Horst Bredekamp, Kai Uwe Schierz und einem Gespräch zwischen Matthias Bormuth und Michael Triegel

Hirmer Premium, Hirmer Verlag, München 2018, ISBN 978-3-7774-3219-9, 272 Seiten, 170 Abbildungen in Farbe, geprägter Leineneinband gebunden mit Schutzumschlag, Format 30,5 x 24,5 cm, € 39,90 (D) / 

€ 41,10 (A) / CHF 48,70

Die zum 50. Geburtstag des vormaligen Leipziger Meisterschülers Michael Triegel konzipierte Überblicksausstellung und der sie begleitende Katalog dokumentieren seine formal an der italienischen Renaissance und inhaltlich an existentiellen Fragen orientierten Malereien, Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken der letzten Jahre (vergleiche dazu https://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2018/129813.html und https://www.galerie-schwind.de/kuenstler/michael-triegel/) und darüber hinaus seine Hinwendung zum katholischen Glauben. Triegel kam von einer an Nietzsche orientierten Kunstreligion her und hat über Jahre eine spirituelle Erleuchtung durch die Ästhetik, die Form der Kathedralen, der Kunst und der Liturgie gesucht. „Diese Gefäße aber konnte ich nicht selbst füllen. Die Hoffnung war, als ich Papst Benedikt XVI. gemalt hatte und zur Audienz nach Rom eingeladen wurde, jetzt könnte es klappen: Aber es geschah nichts“ (Michel Triegel S. 49). Zu seinem Damaskus-Erlebnis kamt es bei Exerzitien in der Tradition von Ignatius von Loyola. „Nachdem ich zwei Wochen […] jeden Tag bestimmte Bibeltexte gelesen, betrachtet und mit anderen Teilnehmern und den diese geistigen Übungen begleitenden Priester besprochen hatte, stellte sich bei mir ein innerlicher Vorgang ein, in dessen Folge das Gefühl aufkam, jetzt ist es soweit. Jetzt ist es für mich ganz still, glaubhaft. Vor allem überzeugte mich meine innere Wandlung, weil sie so gar nicht meinen großartigen Vorstellungen entsprach, der großen künstlerischen oder theatralischen Geste. Die Erfahrung, einen Weg nicht nur aus eigener Kraft, sondern in Gemeinschaft zu gehen, war mir neu und erfreulich“ (Michael Triegel a. a. O.). In der Osternacht 2014 ließ er sich katholisch taufen.

Nach seiner Konversion gewinnt er mehr Abstand zur ihm nach wie vor wichtigen Form. Sie ist ihm jetzt nicht mehr alles, sondern muss dem Inhalt dienen. Seine medial stark beachteten kirchlichen Aufträge wie das Porträt Papst Benedikts XVI. (vergleiche dazu https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/papst-maler-triegel-sollte-benedikt-portraet-umarbeiten-15165879.html), die Kirchenfenster für die Schlosskirche in Köthen (vergleiche dazu https://www.katholisch.de/artikel/6534-redliche-tiefsinnige-schoenheit) und der großformatige Hochaltar für die Kirche St. Oswald in Baunach (vergleiche dazu https://www.google.de/search?q=kirche+st+oswald+baunach&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=ehO2EttiCDAeUM%253A%252Cnv1R9sDfx_PJJM%252C_&vet=1&usg=

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UM&imgdii=smjsMXTqvbKWAM) machen aber nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus. „Nach meiner Taufe erschien es manchen so, als ob ich meine künstlerische Freiheit aufgegeben haben könnte. Für andere bedeutete meine Zugehörigkeit zur Kirche ein schräges Alleinstellungsmerkmal, das mich in dem überdrehten Kunstmarkt aus der Masse der Künstler besonders heraushob. Natürlich hat sich meine Kunst aufgrund des christlichen Glaubens durchaus verändert, ohne dass ich dabei ein vollkommen anderer Mensch geworden wäre. Auch wenn der christliche Glaube stärker akzentuiert ist, bleiben mir doch die Zweifel und Fragen […]. Man teilt [aber] über die Glaubensgrenzen hinweg das Gefühl, dass diese Welt so chaotisch und unübersichtlich geworden ist und keine Utopie noch ein glaubwürdiges Ziel vermitteln kann. Und das hat nichts damit zu tun, ob ich jetzt ein Altarbild male oder ein Bild für einen privaten Raum oder eines, das in einem Museum hängen wird. Jedes Bild ist in einem bestimmten Horizont ein Erkenntnisinstrument. Es kann wie ein Spiegel wirken, in dem andere sich und ihre Lebensfragen auch betrachten können. Marcel Proust wünschte sich seine Leser sollten nicht seine Leser sein, sondern die Leser ihrer selbst. Diesen Wunsch teile ich und er zeigt mir, dass ich heute wohl weniger narzisstisch bin als vor zwanzig Jahren“ (Michael Triegel S. 52).

ham, 5. März 2020

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