Apr 26

Über 100 Farbtöne aus der Welt der Tiere, Pflanzen und Mineralien 

Aus dem Englischen von Theodor Fasen. Mit einer Einführung von Patrick Baty und Essays von Peter Davidson (National Museums of Scotland), Elaine Charwat (Oxford University Museum of Natural History), Giulia Simonini (Technische Universität Berlin) und Dr. André Karliczek (Friedrich-Schiller- Universität, Jena) 

DuMont Buchverlag, Köln, 2021, ISBN 978-3-8321-9990-6, 290 Seiten, über 700 farbige Abbildungen und drei Ausklapptafeln, gebunden, Hardcover mit Goldprägung und tiefgeprägten Farbflächen, bedrucktem Vorsatz und Lesebändchen, Format 27 x 21,5 cm, € 49,00 (D) 

Nach Patrick Batys 2018 erschienener Geschichte traditioneller Farben und Pigmente ›Die Natur der Farben‹ (vergleiche dazu https://www.dumont-buchverlag.de/buch/baty-natur-der-farben-9783832199432/) liegt nun seine Parallelpublikation ›Die Farben der Natur‹ vor. Im Zentrum stehen der deutsche Mineraloge und Geologe Abraham Gottlob Werner (1749 – 1817; vergleiche dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Gottlob_Werner) und der schottische Pflanzenmaler Patrick Syme (1774 – 1845). Werner hatte 1774 ein wegweisendes Farbsystem mit 54 Farbtönen vom hellen Weiß über das Bläulichschwarz, das Berliner Blau, das Oraniengelb und das Goldrot bis zum Schwärzlichbraun entwickelt und den einzelnen Farbtönen Mineralien zugeordnet. „Werner legte zu Unterrichtszwecken … eine eigene Mineraliensammlung an. Zudem überarbeitete er seine Farblisten in den folgenden Jahren mehrfach und bedachte seine Schüler mit der jeweils aktuellen Fassung … Syme entwickelte Werners System weiter, ergänzte dessen Mineralienbeispiele um solche aus der Tier- und Pflanzenwelt und erweiterte die Zahl der Farbtöne auf das Doppelte. Außerdem versah er jeden Farbton mit einem handkolorierten Farbmuster“ (Patrick Baty S. 6; vergleiche dazu https://sachsen.digital/sammlungen/oryktognostische-sammlung-von-abraham-gottlob-werner). Dem Schneeglöckchenweiß ordnet Syme das Brustgefieder der Lachmöwe, das Schneeglöckchen, den Carraramarmor und den Kalksinter zu, dem Perlgrau den Rücken der Lach- und Dreizehenmöwe die Blütenrückseite des violetten Leberblümchens und den Porzellanjaspis und dem Berliner Blau die Schwungfeder des Eichelhähers, das Leberblümchen und den blauen Saphir. Seither bildete Symes Schrift ›Werner’s Nomenclature of Colours: With Additions, Arranged So as to Render it Highly Useful to the Arts and Sciences. Annexed to which are Examples Selected from Well-known Objects in the Animal, Vegetable, and Mineral Kingdoms. W. Blackwood, 1814‹ nicht nur für Künstler, sondern auch für Naturforscher wie Charles Darwin eine Quelle von unschätzbarem Wert und eine verlässliche Referenz zur Farbbestimmung.

›Die Farben der Natur‹ illustriert Werners Nomenklatur der Farben und Symes Weiterentwicklung erstmals mit zeitgenössischen Illustrationen zu jeder erwähnten Tier- und Pflanzenart sowie zu jedem Mineral (vergleiche dazu https://www.dumont-buchverlag.de/buch/baty-farben-der-natur-9783832199906/). Peter Davidson zeichnet die Weiterentwicklung von Werners mineralogischem System zu Symes Nomenklatur der Farben nach. Elaine Charwat diskutiert die Frage, wie Forschungsreisende und Naturwissenschaftler zu einheitlichen Farbbestimmungen im Tierreich gekommen sind, Giulia Simonini die Ursprünge von Symes botanischer Farbterminologie und ihre Rezeption und André Karliczeck den besonderen Nutzen von Symes Farbnomenklatur für die Medizin und die Verwendung von Farbtafeln in der pathologischen Anatomie.

ham, 26. April 2021

 

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