Hrsg. von Heiko Seidel im Auftrag des Nordelbischen Kirchenamtes, Baudezernat, mit
Texten unter anderem von Jochen Poensgen, Horst Schwebel, Dirk Jonkanski und dem
Herausgeber
Verlag Ludwig, Kiel, 2012, ISBN 978-3-86935-149-0, 88 S., zahlreiche Farbabbildungen,
Klappenbroschur, Format 28 x 20,5 cm, € 19,80
Jochen Poensgens Fensterzyklus für die denkmalgeschützte Kirche in Ziethen bei Ratzeburg
erscheint für die Kirchengemeinde, die kirchliche Aufsichtsbehörde, das Denkmalamt und die
Fachöffentlichkeit als rundum gelungen. Das Projekt ist aus einem anonymen
Kunstwettbewerb hervorgegangen, der vom Baudezernat des Nordelbischen Kirchenamtes
organisiert worden war. „Das überregional beachtete Ziethener Glaskunstwerk war Anlass für
die vorliegende Publikation. Einerseits ist die Aufgabe zur Dokumentation Teil der von der
Nordelbischen Kirche übernommenen denkmalpflegerischen Verantwortung… Andererseits
kann das vorliegende Buch auch Anregung und Anschauung für andere Kirchengemeinden
bei Beratungen ähnlicher Projekte sein“ (Wilhelm Poser). Die Publikation dokumentiert die
zusammen mit der Kirchengemeinde erarbeitete Aufgabenstellung und wirbt für den in
Nordelbien favorisierten anonymen Planungswettbewerb. „Wettbewerbe sind für junge
Künstler eine Gelegenheit, zu zeigen, was sie können, gerade wenn renommierte Kollegen
beteiligt sind… Um eine unabhängige und an fachlichen Kriterien orientierte
Meinungsbildung zu garantieren, beruft der Kirchenvorstand ein Preisgericht, in dem die
externen Fachgutachter eine Stimme Mehrheit haben. Die Bauherrschaft, die
Kirchengemeinde, bescheidet sich in vornehmer Zurückhaltung bei der Entsendung ihrer
Sachpreisrichter… Zu den Bauherrenaufgaben im Sinne eines fairen Verfahrens gehört es,
sich Gewissheit darüber zu verschaffen, ob die teilnehmenden Künstler die Aufgabe
verstanden haben. Dazu dient das Rückfragekolloquium…. Aus organisatorischen Gründen ist
ein Vorprüfer einzusetzen, der die Arbeiten in Empfang nimmt und die Anonymität garantiert.
Er prüft die Arbeiten formal… Der Vorprüfer gibt dem Preisgericht am Tag der Sitzung einen
Bericht ab und führt damit in die Sitzung ein. Bei der Preisgerichtssitzung wählen die
Stimmberechtigten einen Fachpreisrichter zum Vorsitzenden. Die Sitzung findet in Konklave
statt. Kirchenvorsteher können als nicht stimmberechtigte Teilnehmer der Sitzung beiwohnen.
Dies unterstützt die Vermittlung einer Realisierungsempfehlung bei der späteren
Entscheidung im Kirchenvorstand. Doch ist es wichtig, dass die Beteiligten am gesamten
Sitzungsverlauf teilnehmen und dass das Vertraulichkeitsprinzip vereinbart wird: Zur
Darstellung der Preisgerichtssitzung nach außen dient das Protokoll. Mit diesen Regeln wird
sichergestellt, dass die Arbeiten in ähnlicher Weise beurteilt werden, wie es in der
Einbausituation später auch der Fall sein würde. Die Arbeiten müssen für sich selbst
sprechen“ (Heiko Seidel). Für den späteren Gewinner Jochen Poensgen war es unter anderem
wichtig, dass die Vorgängerfenster abgängig waren und dass die Aufgabestellung seinen
künstlerischen Intentionen entsprochen hat. Poensgens Entwurf sollte sich in den lichten
barocken Gesamteindruck des Kirchenraums einordnen. Die umgebende Natur sollte durch
die Fenster vom Kircheninneren her wahrnehmbar bleiben. Die insgesamt zurückhaltende
Erscheinung der Fenster sollte sich im Altarraum sowie in der südlichen Kirchenwand im
Bereich der Taufe verdichten. In der Außenansicht sollte sich das Bleinetz in den Rhythmus
der Fenster bzw. Fensterpfosten als klar ablesbare grafische Struktur einordnen und mit dem
durch das Ziegel- und Findlingsmauerwerk vorgegebenen Maßstab korrespondieren. „Um die
oben genannten Ziele zu erreichen, habe ich eine Blankverglasung aus mundgeblasenen
Gläsern gewählt, die durch ihre unterschiedlichen Grade von Transparenz die Fenster in der
Durchsicht nach außen bei den wechselnden Tages- und Jahreszeiten immer wieder anders
erscheinen lassen und im Zusammenspiel mit der umgebenden Natur ein lebendiges Licht
erzeugen. Für alle Fenster habe ich mich für einen sehr hellen Farbklang aus farblosen,
weißen und goldgelben Gläsern entschieden. Dieser Farbklang verdichtet sich im Altarraum
durch einen höheren Anteil an gelben Gläsern. Das Fenster am Taufbecken erfährt dadurch
eine Betonung, dass hier durch Hinzufügen eines blauen Glases ein Dreiklang entsteht.“
(Jochen Poensgen). Horst Schwebel ordnet Poensgens Fensterzyklus in die Entwicklung
seines Oevres von Refrath (1962) bis Ziethen (2009) ein. Weitere Beiträge beschäftigen sich
mit den denkmalpflegerischen Entscheidungen, die notwendig werden, wenn Kunst in
historische Räume eingebracht wird, der Auftragssituation für handwerklich-sakrale
Glaskunst und sakraler Glaskunst in protestantischen Kirchen.
ham, 12.11.2013

Download

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.

COPYRIGHT © 2019 Helmut A. Müller