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Künstlerbuch zur Ausstellung des DCKD und des Künstlervereins Malkasten im Kunstraum am Rhein
DCKD Düsseldorf, kuratiert von Johannes auf der Lake und Jian Guo mit Texten von Robert Hartmann und
Li Xiang

Düsseldorf 2015, ISBN 0-333-99093-5, 200 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Broschur-Doppelband im
Schmuckkarton und Schuber, Format 28 x 21 cm

Nach Ina Thiesies ist Robert „Hartmanns liebstes Ausdrucksmittel […] die Persiflage. Immer wieder zitiert er in seinen Arbeiten mal bissig, mal unterschwellig ironisch alte und neue Meister, spielt mit Stil- und Motivtraditionen. Symbolische Tiergestalten bevölkern seine Bildwelt und nehmen darin ungewohnte Plätze ein. Verknüpfungen mit Textfragmenten schaffen neue Bezüge. Der Bruch mit kunsthistorischen Konventionen rüttelt wach und erzwingt ein Um- und Überdenken, eine Auseinandersetzung mit dem Althergebrachten unter ganz neuen Gesichtspunkten. Dabei wirken Hartmanns Werke niemals streng und überfrachtet. Nie verlieren sie ihren Witz und ihre Leichtigkeit. Seine Aquarelle und Acrylbilder hinterlegt er häufig mit durchscheinenden, hellen Farben. Die Linienführung seiner Zeichnungen ist fein, doch gleichzeitig bestimmt“ (Ina Thiesies in: http://www.stadt-ratingen.de/freizeit_kultur_sport_tourismus/museum/sammlung/kunstweg/robert_hartmann.php). Robert Hartmann selbst stört sich an dem von Ina Thiesies gebrauchten Begriff der Persiflage nicht sonderlich, aber er kann mit ihm auch „nicht viel anfangen. Wenn ich beispielsweise – Hitler als Tramp – malte, meine ich das so ganz direkt, ohne Humor, oder ohne es unterschwellig ironisch zu sehen“ (Robert Hartmann in seiner Mail vom 26. 12. 2105 an den Verfasser). Er hat sich von den Konventionen und Zwängen der Moderne freigemalt und hegt die Hoffnung, dass er es noch erleben kann, dass „dass das Herz der Modernen Kunst aufhört zu schlagen.“ (Robert Hartmann in http://www.fk16.tu-dortmund.de/kunst/cms/491.html).

Gleichwohl erstaunt es, dass Li Xiang in Robert Hartmanns Malerei die Ansprüche der traditionellen
chinesischen Landschaftsmalerei erfüllt sieht. „Was ich besonders hervorheben will, sind die konzentrierten und lebendigen Linien in Hartmanns Gemälden, die zwar einen anderen Ursprung als die Linien in traditionellen chinesischen Bildern haben, aber zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Die Farbgebung seiner Bilder ist verhalten und trägt darin große Leuchtkraft, sein Stil ist schlicht und ansprechend. Damit erfüllt er die Ansprüche der traditionellen chinesischen Landschaftsmalerei: >>Einfache Linien tragen eine tiefe Bedeutung<<“ (Li Xiang S. 3). Der 1949 in Oberfranken geborene Maler, YIUP-Aktivist, Mitbegründer der Künstlergruppe „Die Langheimer“ und langjährige Vorsitzende des Künstlervereins Malkasten kommt umgekehrt in ein für ihn untypisches Schwärmen, wenn er von der gesellschaftlichen Stellung, vom Ansehen und den finanziellen Möglichkeiten der Künstler in China erzählt. Demnach bestimmen dort wenigstens idealiter nicht die Museumsdirektoren, Kuratoren und Sammler, wer wann wo was ausstellt, sondern die Künstler selbst. Und sie erhalten fürstliche Honorare.

Für Hartmann erschließt sich in den Landschaften des 1962 in Linyi in der Shandong-Provinz geborenen
Malers Li Xiang sowohl die Tradition der chinesischen Landschaftsmalerei als auch die der Moderne. „Die Landschaften sind idealtypische Darstellungen, die für sich sind, und wirken als freie Natur mit Höhenferne, Tiefenferne und Weitenferne. Die erhabene Schönheit von Wald, Strom, Himmel und Erde sind dargestellt, ergänzt um freie Tiere. Eingriffe des Menschen in die Natur werden nur sparsam beschrieben […]. Daraus ergibt sich, dass eine Perspektive, wie sie in der klassischen europäischen Landschaftsmalerei eine Rolle spielte, bei Li Xiangs Landschaftsmalerei […] nicht von großer Bedeutung ist […]. Vorder-, Mittel- und Hintergrund gehen ineinander über und werden von Linien und Strukturen, seien es Bäume, oder Wolken, oder Gräserstrukturen, durchbrochen und gegliedert. Die Erzählung schaffte sich ihre Stimmung und Atmosphäre, sowohl aus dem Gefühl, als auch aus der Struktur und der Form dieser Bilder“ (Robert Hartmann S. 5).

Xiang und Hartmann beschränken sich in der für die Ausstellung und das sehenswerten Künstlerbuch
getroffen Auswahl auf mittel- und großformatige Arbeiten in Wasserfarben und Tusche auf Papier. Zu den schönsten gehören Xiangs Landschaft ,Berge und Wolken’, 2015, Tusche auf Papier, 180 x 97 cm und
Hartmanns Yiup-Sequenz Fegefeuer, Himmel, Hölle und Paradies, 2013, Wasserfarben auf Packpapier,
jeweils 196 x 238 cm. Nach dem Studium des Künstlerbuchs hat man den dringenden Wunsch, wenigstens
diese Arbeiten im Original zu sehen.

ham, 26.12.2015

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