Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 20. 9. bis 1.11.2014 in der Nordheimer Scheune in Nordheim bei Heilbronn mit Texten von Helmut A. Müller und Alexander Roob
Nordheimer Scheune, Nordheim, 2014 , Druck: wir-machen-druck.de, 76 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Hardcover, Format 21 × 21,6 cm, Schutzgebühr 16 €

Für den 1985 in Ellwangen geborenen Stefan Heller ist der Computer zur alchemistischen Hexenküche geworden, in der er nicht mehr Gold, sondern zeitgemäße Weltbilder finden will. An die Stelle von Pinseln und Farben sind die Maus, die Tastatur und ausgewählte Zeichnungsprogramme getreten. Die in die Bilder einfließenden Motive werden am Computer in Zeiträumen von bis zu sechs Jahren erarbeitet und geformt. Deshalb gibt Heller bei seinen Werkangaben neben der mit dem Stichwort ,Print’ markierten Fertigstellung auch den Entstehungszeitraum der Arbeiten an. Hellers verdichtete Tableaus knüpfen an überkommene Mythen, Sagen, Märchen, an die Bildsprache früher Computerspiele und russischer Trickfilmer, an Einsichten aus den Naturwissenschaften und an den kritischen Umgang mit den Folgen einer auf ökonomische Erfolge reduzierten Weltwirtschaft an und setzt den damit verbundenen Weltbildern sein eigenes Verständnis von Welt entgegen. Ins Visuelle transformierte Versatzstücke aus Wirtschaft,
Wissenschaft , Religion und Popularkultur werden collagiert und in hybride Symbolsystem überführt, die zeigen, dass andere Welten möglich sind. Weltbilder sind für Heller „eine Art U-Boot, Nautilus oder Mekarba (geistiges Gefährt)“, das er nutzen kann, „um die Innenwelt“ seiner Seele oder Psyche zu befahren. „Oftmals komme ich mir hierbei wie in einem Bergwerke vor, in dem es besonders wertvolle… Mineralschichten in der Tiefe der Psyche abzubauen gilt. Es geht mir… darum, von Kindheit an abgestorbene, aber in der Tiefe aufbewahrte… Lebenskräfte… aufzuschließen… (und) die Daseinsfreude der Kindheit wieder zu reaktivieren, wie es mir beim Kunstschaffen oftmals gelingt. Mein Weltbild ist also eine Art seelische Schürfmaschine, die innere Lebenskräfte anzapft und in Bilder oder Animationen gießt… Das Gold der Alchimisten steht für mich sinnbildlich für ewiges Leben. Insofern bin ich ein Goldschürfer im Inneren…“ ( Stefan Heller). Heller versteht sich als Künstlerforscher, der sein persönliches Weltbild in seinen Tableaus und Animationen aufarbeitet, auf den jeweils aktuellsten Stand bringt und der Frage nachgeht, in welchem Kontext es steht.
Die postkolonialen – und die Rohstoffkriege haben die Welt aus den Fugen geraten lassen. In ihr passiert so viel Verrücktes, dass Heller „keine schwarzen Quadrate mehr malen“ kann (Stefan Heller). Stattdessen setzt er auf eine Kombination von 2D und 3D, also gewissermaßen auf 2,5 D, und zeigt in den Oberflächen offenkundige Dissonanzen, Brüche und offene Stellen. Im Ergebnis werden seine Symbolsysteme bunt. „Popkulturelle Versatzstücke dürfen neben christlichen Symbolen existieren. Neben der Dornenkrone und den Wundmalen Jesu finden buddhistische Mandalas, Chakren und Meridian ihren Platz . Der heilige Gral ist eingeschlossen und auch die alchemistische Vorstellung von Seelenreinigung kommt zu ihrem Recht.“ ( Helmut A. Müller). Entscheidend ist für Heller nicht die Geschlossenheit des Systems, sondern die Singularität der Symbole und die Möglichkeit, mit ihnen auf der Gefühlsebene in starke Resonanz zu gehen. In dieser Resonanz findet er Inspiration für seine weitere Arbeit und für zeitgemäße und tragende Bilder.
Der Katalog erlaubt einen profunden Einblick in die Hintergründe von Hellers Symbolsystemen und stellt zentrale Szenen aus seinem 24 minütigen Experimentalfilm ,Weltenbaum’ vor.

ham, 28.9.2014

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