DuMont Buchverlag, Köln, 2021, ISBN 978-3-8321-9992-0, 160 Seiten, 160 Farbige Abbildungen, Hardcover, Format 18 x 23 cm, € 20,00

Die 1971 geborene Architekturhistorikerin, Urbanistin, Gründerin der Stadtdenkerei und passionierte Baukulturvermittlerin Turit Fröbe fotografiert seit 20 Jahren mit doppeltem Augenzwinkern Bausünden, weil es sie freut, dass sie Städte interessanter machen und weil sie weiß, dass immer nur die anderen, aber nie man selbst für sie verantwortlich sind. Man findet Bausünden in Villenvierteln ebenso wie in Reihenhaussiedlungen, in Innenstädten, am Stadtrand und in den Speckgürteln. Und neuerdings bleiben auch Garagen nicht vor ihnen verschont: Wenn Besitzer von großen Anwesen nicht mit der Verschönerung ihrer Villen oder ihrer Vorgärten punkten können, haben sie immerhin noch die Möglichkeit, „ihre Garage dergestalt zu inszenieren, dass sie mit anderen Bausünden ganz mühelos mithalten kann und zu einem eigenständigen Element mit Bildqualität wird“ (Turit Fröbe S. 128; vergleiche dazu etwa https://www.google.de/search?source=univ&tbm=isch&q=turit+fr%C3%B6be&sa=X&ved=2ahUKEwj37aCx047vAhWG2hQKHd9iD58QjJkEegQIFRAB&biw

=1677&bih=914#imgrc=dlLrBHm9AOrlAM). 

Andere setzen auf Hingucker wie first- oder traufständige halbe Häuser, bei Doppelhäusern auf das eigenständige Gesicht der eigenen Haushälfte und wieder andere auf einen Turm, der erkennen lässt, dass man eigentlich auf einer Burg wohnen möchte (vergleiche dazu https://www.google.de/search?source=univ&tbm=isch&q=turit+fr%C3%B6be&sa=X&ved=2ahUKEwj37aCx047vAhWG2hQKHd9iD58QjJkEegQIFRAB&biw=1677&bih=

914#imgrc=ovKI5Qejla65GM). Wieder andere übermalen ganze Häuser oder Wohnanlagen (vergleiche dazu https://www.br.de/mediathek/video/turit-froebe-eigenwillige-eigenheime-av:60238ef1c8c274001a2ada5d).

In den Vorgärten haben derzeit die Zwerge ausgedient; dafür gibt es Mottogärten, die an Stonehenge oder fernöstliche Meditationsgärten erinnern, auf Verfall getrimmte Umfassungsmauern, expressive Zäune und Fototapeten aus dem Baumarkt, mit denen man Stahlgitterzäune oder Gabionen als Ziegel-, Bambus-, Flecht-, Schiefer- oder Holzwände verkleiden kann. Wer im Luxussegment mehr investieren will, greift einfachheitshalber auf modulare Systeme von der Stange zurück, „die sich den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Wohnwünschen anpassen lassen. Die bezugsfertigen Instant-Lösungen eignen sich für all jene, die bei der Gestaltung ihrer Bausünde nichts dem Zufall überlassen wollen und nicht lange herumlaborieren möchten. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die sogenannten Winkelhäuser mit einem zentralen Turm an der Schnittstelle der beiden Gebäudeflügel, aber auch die kompakteren Typen ›Villa‹ und ›Landhaus‹, die sich wie die Winkelhäuser optional zum veritablen Schloss ausbauen lassen. Charakteristisch für alle drei Typen sind Pseudo-Mansarddächer, die im Inneren gar keine Dachschräge besitzen, Hochglanzdachziegel (die aktuelle Trendfarbe ist Violett!), Portikus-Motive mit Pfeilern oder Säulen …, Bogen- und Segmentbogenfenster … und Treppenanlagen, die von barockisierenden Balustraden gerahmt werden“ (Turit Fröbe S. 76, vergleiche dazu https://www.google.de/search?source=univ&tbm=isch&q=turit+fr%C3%B6be&sa=X&ved=2ahUKEwj37aCx047vAhWG2hQKHd9iD58QjJkEegQIFRAB&biw=1677&bih=

914#imgrc=Qgy-G3BawIJNzM und https://www.dumont-buchverlag.de/buch/froebe-eigenwillige-eigenheime-9783832199920/).

Wer seine eigene Bausünde realisieren will, sollte nach Fröbe folgende zehn Gebote beachten (siehe dazu Turit Fröbe S. 157):

  1. Sei mutig!
  2. Zeig, was du hast!
  3. Überrasche deine Mitmenschen!
  4. Bau deine Bausünde nicht für dich, sondern für die anderen!
  5. Sei deinen Nachbarn immer einen Schritt voraus. Sie werden es dir danken!
  6. Alles kann zur Bausünde werden!
  7. Viel ist nicht genug!
  8. Auch kleine Eingriffe können große Wirkung erzielen!
  9. Passt nicht geht immer!
  10. Vergib deinen Nachbarn!

ham, 1. März 2021

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